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Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich, Frühjahr 2026

Die Stimmung im Mittelstand bleibt insgesamt verhalten. Das zeigt die aktuelle Frühjahrsumfrage von Creditreform Österreich. Demnach liegt das Creditreform Geschäftsklimabarometer für den Mittelstand mit minus 3,8 Punkten weiterhin im negativen Bereich, hat sich jedoch leicht von den Tiefständen der Vorjahre erholt. Für einen positiven Indexwert reicht es bislang aber noch nicht.

Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise. Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform Österreich. Im Mittelstand ist ein nachhaltiger Aufschwung bislang jedoch ausgeblieben und die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend negativ beurteilt.

Die Auftragslage war in den vergangenen Monaten erneut von Rückgängen geprägt: 35,4 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten sinkende Auftragsbestände und lediglich 13,9 Prozent meldeten Zuwächse. Auch die Umsatzentwicklung leidet weiterhin unter den Folgen der Rezession. Nur 14,9 Prozent der Unternehmen berichteten von Umsatzsteigerungen – ein im historischen Vergleich niedriger Wert. Gleichzeitig verzeichneten 36,1 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge.

Wirtschaftsaufschwung bleibt fragil

Die Einschätzungen der Unternehmen lassen auch für die kommenden Monate keinen kräftigen Aufschwung erwarten. In allen Wirtschaftssektoren sind die Geschäftserwartungen negativ, besonders ausgeprägt im Bauwesen. „Im heurigen Jahr dürften die Auswirkungen des Nahostkonflikts das Wirtschaftswachstum dämpfen und die Geschäftserwartungen im Mittelstand bleiben verhalten. Zwar haben sie sich im Vergleich zum Vorjahr etwas aufgehellt, insgesamt überwiegt jedoch weiterhin der Pessimismus“, erklärt Weinhofer.

Im Mittelstand rechnen 17,3 Prozent der Befragten in den nächsten Monaten mit steigenden Auftragseingängen, während 21,3 Prozent Rückgänge erwarten. Der Anteil der Pessimisten ist damit zwar gesunken, dennoch bleiben positive Erwartungen die Ausnahme. Nur im Dienstleistungssektor überwiegen mehrheitlich steigende Auftragserwartungen.

Die Umsatzerwartungen zeigen eine leichte Aufhellung: 19,6 Prozent der Unternehmen rechnen im nächsten halben Jahr mit steigenden Umsätzen. Gleichzeitig erwarten weiterhin 21,3 Prozent einen Rückgang – im Vorjahr waren es noch rund 30 Prozent. Insbesondere im Handel und im Dienstleistungssektor überwiegen inzwischen die positiven Erwartungen.

Weinhofer warnt jedoch: „Einen kräftigen Aufschwung wird es 2026 wohl nicht geben. Die wirtschaftliche Dynamik dürfte deutlich schwächer ausfallen als erwartet. Auch eine Phase der Stagnation ist nicht auszuschließen.“ Vor allem im Bauwesen und im Verarbeitenden Gewerbe bleiben die Umsatzerwartungen pessimistisch.

Beschäftigungsplus bleibt aus

Die Personalplanungen im Mittelstand haben sich erstmals seit zwei Jahren leicht verbessert. Kurzfristig ist jedoch weiterhin nicht mit steigenden Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Zwar planen 13,1 Prozent der Unternehmen einen Personalaufbau, gleichzeitig beabsichtigen aber 16,3 Prozent einen Stellenabbau. Im vergangenen Winterhalbjahr setzte sich der Personalabbau fort: 29,2 Prozent der Unternehmen meldeten einen Rückgang der Beschäftigtenzahl, während nur rund jedes zehnte Unternehmen (10,1 Prozent) zusätzliche Stellen schuf. „Die verhaltenen Konjunkturaussichten bleiben ein wesentliches Hemmnis für eine stärkere Personalnachfrage. Viele Unternehmen agieren bei Neueinstellungen weiter sehr zurückhaltend“, so Weinhofer.

Investitionen auf niedrigem Niveau

Angesichts unsicherer Rahmenbedingungen und erschwerter Finanzierungsbedingungen verhalten sich die Unternehmen abwartend. Nur 30,9 Prozent der befragten Betriebe planen Investitionen – deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Besonders im Bauwesen sind die Investitionsabsichten stark zurückgegangen.

Leichter Rückgang der Firmeninsolvenzen

Nach dem deutlichen Anstieg im Jahr 2025 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt leicht gesunken. Zwischen Jänner und März 2026 wurden landesweit 1.781 Insolvenzen verzeichnet – ein Rückgang um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Während es im Finanzwesen, im Handel und bei den unternehmensnahen Dienstleistern zu größeren Rückgängen kam, stiegen die Insolvenzzahlen im Beherbergungs- und Gaststättenwesen an.

Eigenkapitalbasis unter Druck

Die Eigenkapitalsituation im Mittelstand hat sich zuletzt verschlechtert. Schwache Erträge bremsen den Kapitalaufbau, während Verluste teilweise durch Eigenkapital gedeckt werden müssen. Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist dadurch gestiegen: 20,1 Prozent verfügen über eine Eigenkapitalquote von höchstens 10 Prozent. Gleichzeitig weisen nur noch 40,8 Prozent der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent auf. „Die schwache Ertragslage ist ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen und Liquiditätsengpässe müssen zunehmend über Fremdfinanzierung ausgeglichen werden“, erläutert Weinhofer.

Wirtschaft fordert Bürokratieabbau

Als wichtigste wirtschaftspolitische Themen nennt der Mittelstand den Bürokratieabbau (79,0 Prozent), gefolgt von den Energiekosten (64,2 Prozent) und dem Fachkräftemangel (59,8 Prozent). Die Dringlichkeit des Bürokratieabbaus hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter erhöht. Auch die Bedeutung der Inflation hat zugenommen: 56,8 Prozent der Unternehmen sehen sie als zentrales Problem und fordern mehr Engagement der Wirtschaftspolitik.

Text: Creditreform Österreich
Foto: Adobe Stock - hyotographics

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