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Wenn Effizienz zum Risiko wird
Effizienz gilt in Unternehmen seit Jahren als eines der wichtigsten Ziele.
Prozesse werden verschlankt, Lagerbestände reduziert, Lieferanten gebündelt, Personal möglichst genau ausgelastet und Kapital soll dort eingesetzt werden, wo es unmittelbar einen wirtschaftlichen Nutzen bringt. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Problematisch wird es dort, wo Effizienz so weit optimiert wird, dass keinerlei Reserve mehr vorhanden ist. Denn ein Unternehmen, das im Normalbetrieb perfekt funktioniert, kann im Ausnahmefall plötzlich besonders verletzlich sein.
Effizienz funktioniert am besten, solange alles funktioniert
Ein einzelner Lieferant ist häufig günstiger als zwei. Ein kleiner Lagerbestand bindet weniger Kapital. Eine schlanke Personalplanung reduziert Kosten. Eine zentralisierte IT Landschaft schafft Standards und senkt den laufenden Aufwand. Solange Lieferketten stabil sind, Mitarbeiter verfügbar bleiben, Systeme funktionieren und Nachfrage planbar ist, sehen solche Strukturen sehr effizient aus. Ändert sich jedoch nur ein Teil dieser Voraussetzungen, kann genau dieselbe Effizienz zum Risiko werden. Fällt der einzige Lieferant aus, fehlt eine Alternative. Ist kein zusätzlicher Lagerbestand vorhanden, kann die Produktion schnell stillstehen. Gibt es für einen wichtigen Prozess nur eine Person mit dem notwendigen Wissen, wird ein kurzfristiger Ausfall plötzlich zum operativen Problem. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie effizient ein Unternehmen arbeitet. Ebenso wichtig ist die Frage, wie viel Störung diese Effizienz aushält.
Reserve kostet Geld, fehlende Reserve aber auch
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wirken Reserven häufig zunächst unattraktiv. Ein zweiter Lieferant kann höhere Einkaufskosten verursachen. Zusätzliche Lagerbestände binden Liquidität. Freie Kapazitäten bei Personal oder Technik erscheinen in ruhigen Zeiten wie ungenutztes Potenzial. Eine höhere Liquiditätsreserve kann die Rendite reduzieren. Trotzdem können genau diese Reserven im entscheidenden Moment wirtschaftlichen Wert schaffen. Sie kaufen Zeit. Zeit, um einen neuen Lieferanten zu finden. Zeit, um eine Störung zu beheben. Zeit, um eine unerwartete Forderung zu finanzieren. Zeit, um auf einen Ausfall eines wichtigen Kunden oder Geschäftspartners zu reagieren. Resilienz ist deshalb nicht das Gegenteil von Wirtschaftlichkeit. Sie ist ein Teil davon.
Auch Geschäftsbeziehungen können zu effizient organisiert sein
Das Prinzip gilt nicht nur für Produktion und Lieferketten. Viele Unternehmen konzentrieren einen großen Teil ihres Umsatzes auf wenige Kunden oder arbeiten in kritischen Bereichen mit einzelnen Geschäftspartnern zusammen. Das kann Prozesse vereinfachen und wirtschaftlich attraktiv sein. Gleichzeitig steigt aber die Abhängigkeit. Fällt ein wichtiger Kunde aus, bezahlt er deutlich später oder verändert sich seine wirtschaftliche Situation, kann sich das unmittelbar auf Umsatz, Liquidität und Planung des eigenen Unternehmens auswirken. Ähnliches gilt für Lieferanten, Dienstleister oder Finanzierungspartner. Was im Alltag effizient wirkt, kann damit gleichzeitig ein Konzentrationsrisiko darstellen.
Risikomanagement bedeutet nicht, jede Unsicherheit zu vermeiden
Kein Unternehmen kann für jedes denkbare Ereignis vollständige Sicherheit schaffen. Das wäre weder wirtschaftlich noch praktisch sinnvoll. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, jene Abhängigkeiten zu erkennen, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen hätte. Wo gibt es nur einen Lieferanten? Welche Kunden tragen einen wesentlichen Teil zum Umsatz oder zu den offenen Forderungen bei? Welche Prozesse hängen an einzelnen Personen? Welche Systeme dürfen nicht ausfallen? Und wie lange könnte das Unternehmen eine Störung überbrücken, bevor daraus ein ernstes wirtschaftliches Problem entsteht? Diese Fragen betreffen nicht nur operative Abläufe. Sie betreffen auch Liquidität, Forderungen, Bonität und die Stabilität von Geschäftspartnern.
Vielleicht ist maximale Effizienz gar nicht das Ziel
Unternehmen werden häufig danach bewertet, wie effizient sie Ressourcen einsetzen. Vielleicht sollte eine zweite Frage genauso wichtig werden. Wie widerstandsfähig ist das Unternehmen, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Denn das wirtschaftlich stärkste Unternehmen ist nicht immer jenes mit dem kleinsten Lager, den wenigsten Lieferanten oder der höchsten Auslastung. Manchmal ist ein Unternehmen stärker, weil es bewusst Alternativen geschaffen, Wissen verteilt, Liquidität vorgehalten oder Abhängigkeiten reduziert hat. Ein bisschen Reserve sieht in ruhigen Zeiten möglicherweise ineffizient aus. Im entscheidenden Moment kann sie genau das sein, was ein Unternehmen handlungsfähig hält.
Text: Creditreform Österreich
Foto: Adobe Stock - Nimra
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Mag. Gerhard M. Weinhofer
Unternehmenskommunikation
Mitglied der Geschäftsleitung

