Fachbeiträge & Neuigkeiten
Hier finden Sie eine Übersicht unserer aktuellsten Veröffentlichungen.
Trends im Equipment-Leasing 2026 – Engpässe, Nachfrage & Risiko
Die Leasingbranche steht in Europa und Österreich vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Steigende Finanzierungskosten, regulatorische Anpassungen und der zunehmende Druck aus Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsvorgaben verändern das Marktumfeld deutlich. Besonders betroffen ist das Equipment-Leasing, also die Finanzierung von Fahrzeugen, Maschinen und technischen Anlagen.
1. Marktentwicklung: Nachfrage trifft auf Finanzierungshürden
Nach einer stabilen Phase in den Jahren 2022 bis 2024 verzeichnet die Leasingbranche 2025 europaweit einen leichten Rückgang. Laut Leaseurope wird für 2025 ein Wachstum von nur rund 1,5 % erwartet, nach zuvor durchschnittlich 7 % pro Jahr. Ursache sind vor allem die gestiegenen Zinsen und strengere Kreditvergabestandards.
Für viele Unternehmen, insbesondere im industriellen Mittelstand, wird Leasing damit teurer und schwieriger zugänglich. Gerade im Maschinen- und Fahrzeugleasing führen höhere Refinanzierungskosten dazu, dass Anbieter Risikoaufschläge verlangen oder Verträge restriktiver ausgestalten.
„Die Risikobewertung ist heute deutlich granularer als noch vor zwei Jahren. Bonität, Branchenausblick und Asset-Typ spielen eine wesentlich größere Rolle“, erklärt Leaseurope-Generalsekretär Enrico Durand in einem aktuellen Branchenbericht.
2. Folgen für Banken und Finanzdienstleister
Leasinggesellschaften refinanzieren sich häufig über Bankkredite oder Verbriefungen. Durch die strengeren Eigenkapitalanforderungen aus der CRR III werden solche Modelle kostspieliger. Für Banken bedeutet das: höhere Risikoaufschläge, geringere Margen und eine stärkere Konzentration auf bonitätsstarke Kunden und Kundinnen.
Kleinere Leasinganbieter oder spezialisierte Nischenplayer geraten dadurch unter Druck, weil ihre Refinanzierung zunehmend vom Kapitalmarktzugang abhängt
3. Auswirkungen auf Forderungsmanagement & Inkasso
Mit der angespannten Zinslage steigen die Zahlungsverzögerungen im B2B-Bereich deutlich an. Für das Forderungsmanagement bedeutet das:
- Leasingverträge werden häufiger vorzeitig beendet oder restrukturiert.
- Rücknahme- und Verwertungsprozesse müssen effizienter gestaltet werden.
- Datenbasierte Bonitätsprüfungen und Frühwarnsysteme gewinnen an Bedeutung.
Inkassounternehmen sehen zunehmend komplexe Fälle, bei denen Leasingobjekte zurückgeführt, bewertet und gleichzeitig offene Restforderungen eingetrieben werden müssen.
4. Bedeutung für das Forderungsmanagement
Neben den Herausforderungen entstehen auch Chancen:
- ESG-Kriterien werden zu einem neuen Qualitätsmerkmal. Anbieter, die nachhaltige Assets (z.B. energieeffiziente Maschinen oder E-Fahrzeuge) finanzieren, profitieren von Förderprogrammen.
- Digitalisierung ermöglicht automatisierte Leasingstrecken, elektronische Signaturen und Echtzeit-Bonitätsprüfung.
- Kurzfrist-Leasing und Subskriptionsmodelle gewinnen an Bedeutung, vor allem in Technologie- und Mobilitätsbranchen, wo Flexibilität wichtiger wird als Eigentum.
Diese Trends erhöhen allerdings auch den administrativen Aufwand im Forderungsmanagement, weil Vertragsvolumina und Laufzeiten dynamischer werden.
Fazit
Das Equipment-Leasing in Europa und Österreich steht 2026 im Spannungsfeld zwischen steigenden Finanzierungskosten, regulatorischen Vorgaben und digitaler Transformation. Für Banken, Leasinganbieter und Inkassounternehmen bedeutet das mehr Risiko, höhere Komplexität, aber auch neue Chancen durch datengetriebene Prozesse und ESG-konforme Geschäftsmodelle.
Wer frühzeitig in Technologie, Datenanalyse und partnerschaftliche Forderungsprozesse investiert, kann die Marktverschiebungen aktiv nutzen, statt von ihnen überrascht zu werden.
Text: Creditreform Österreich
Foto: Adobe Stock - Colors of N
Kontakt
Mag. Gerhard M. Weinhofer
Unternehmenskommunikation
Mitglied der Geschäftsleitung

