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kika/Leiner Sanierungsplan angenommen.

Gläubiger erhalten insgesamt 34%. Das Ende einer emotionalen Insolvenz

 

Bei der Tagsatzung am Landesgericht St. Pölten stimmte am 25.9. die große Mehrheit der Gläubiger dem angebotenen Sanierungsplan zu. Somit erhalten diese eine Quote von 20%, davon werden 10% - also die Hälfte - als sogenannte Barquote schon in wenigen Wochen fließen. Weitere je 5% werden binnen 16 und 24 Monaten ab Annahme des Sanierungsplanes ausbezahlt. Zusätzlich erhalten die Gläubiger aus dem Vergleich mit der Signa Holding GmbH weitere € 20 Mio., das entspricht einer zusätzlichen Quote von rund 14%. Angesichts der Ausgangslage und des schwierigen Marktumfeldes der Möbelbranche sind die dann realisierten 34% an Insolvenzquote ein durchaus gutes Ergebnis. Zudem bleiben 1.770 Arbeitsplätze erhalten.

Dem voraus gegangen ist eine bisher selten dagewesene mediale und von großen Emotionen getragene öffentliche Berichterstattung. Von einer Änderung des Insolvenzrechts bis zur Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses inklusive Kapitalismus-Pashing wurden im Insolvenzrecht wenig bewanderte Stimmen laut. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft deloitte und die Stellungnahme des versierten und erfahrenen Insolvenzverwalters haben zuvor ergeben, dass bei einer Zerschlagung und Vermögensverwertung des Unternehmens lediglich 6,6% an Quote zu realisieren wären. Damit sind die angebotenen 20% sowohl deutlich angemessen als auch binnen zwei Jahren aufgrund einer positiven Fortbestandsprognose erfüllbar.

Weiters wurde zu Beginn des Verfahrens vom Gericht RA Dr. Stephan Riel, einer der profundesten Insolvenzrechtsexperten der Republik, mit der Aufklärung allfälliger Anfechtungstatbestände und der Frage einer eventuellen Insolvenzverschleppung beauftragt. Seine Bemühungen wurden in der nur sehr knapp zur Verfügung stehenden Zeit mit dem 20-Millionen-Euro-Vergleich belohnt, dem die große Mehrheit der Gläubigerschussmitglieder – darunter auch Creditreform – zustimmte.

Über die Leiner & kika Möbelhandels GmbH wurde am 13. Juni 2023 ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Es waren über 500 Gläubiger und 3.300 Arbeitnehmer betroffen. Die angemeldeten Forderungen betrugen insgesamt € 131 Mio. Damit ist das Insolvenzverfahren das bisher größte des Jahres.

Zusammengefasst sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform: 

„Kaum ein anderes Insolvenzverfahren der letzten Jahre stand derart im Blickpunkt der Öffentlichkeit und wurde so stark mit Emotionen aufgeladen. Nun kann man sagen, dass Dank der professionellen Arbeit der Organe des Insolvenzverfahrens die Gläubiger eine respektable Quote von über 30% erhalten und rund 1.800 Arbeitsplätze bestehen bleiben. Das heimische Insolvenzrecht hat gezeigt, dass es auch und gerade bei solch großen und komplexen Insolvenzen funktioniert und einen Ausgleich zwischen Gläubiger- und Schuldnerinteressen garantiert.“



Kontakt

Mag. Gerhard M. Weinhofer
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