Fachbeiträge & Neuigkeiten
Hier finden Sie eine Übersicht unserer aktuellsten Veröffentlichungen.
Iran-Krieg vs. deutsche Wirtschaft
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben Anfang April ihre Wachstumsprognose korrigiert. Sie sehen die deutsche Konjunktur zwar auf dem Weg der Erholung, rechnen aber nur mit einer schwachen Zunahme des Bruttoinlandsprodukts. Ursache ist der anhaltende Iran-Krieg.
Um fast ein Prozent würde die deutsche Wirtschaft – nach drei Jahren Rezession und Stagnation – 2026 wachsen, sagte das Institut der deutschen Wirtschaft noch im Dezember 2025 voraus. Das ifo Institut verkündete im Dezember, in den Jahren 2026 und 2027 werde sich der Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts auf 0,8 bzw. 1,1 Prozent beschleunigen.
Selbst in seiner aktuellen Konjunkturprognose vom 12. März geht das ifo Institut noch von einer Erholung aus; das BIP werde im laufenden Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent und 2027 um 1,2 Prozent zunehmen. Allerdings ist hier bereits vom „Energiepreisschock“ die Rede: Mit dem Beginn des Iran-Krieges stiegen die Preise für Rohöl und Erdgas kräftig an. Dies werde der Erholung einen Dämpfer verpassen, hieß es von dem Institut, das zwischenzeitlich seine Wachstumsprognose vom Dezember sogar auf 1,0 Prozent leicht nach oben revidiert hatte.
Seit 1. April liegt nun die „Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026“ der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vor. Darin ist zwar weiterhin von einer „moderaten Zunahme“ des BIP die Rede, allerdings liegen die Schätzungen nun nur noch bei einem Plus von 0,6 Prozent für 2026 und 0,9 Prozent für 2027. Vorerst – es könnte noch schlimmer kommen, wenn der Krieg nicht rasch endet. „Hält die Krise an, schlagen die Belastungen mit voller Wucht in der Wirtschaft durch“, betonte Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, vor einigen Tagen. Zumal nicht nur die Energiepreise, sondern auch neue Lieferkettenprobleme die Unternehmen belasten.
„Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart“, sagte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des ifo Instituts, bei Veröffentlichung der Gemeinschaftsdiagnose. Dass es voraussichtlich nicht schlimmer kommt, liegt demnach an der expansiven Fiskalpolitik. Diese stütze die Binnenwirtschaft und verhindere ein stärkeres Abrutschen. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stütze insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus.
Inflation wird spürbar ansteigen
Trotzdem wird Deutschland vermutlich nicht mit einem „blauen Auge“ davonkommen. Denn die Institute gehen davon aus, dass die Inflationsrate 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen wird, im Jahr darauf auf 2,9 Prozent. Dies werde den privaten Konsum dämpfen. Ein weiteres Problem: Insgesamt entwickelt sich die Industrie laut der aktuellen Gemeinschaftsprognose weiterhin wenig dynamisch, da deren Auslandsgeschäfte angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen.
Die Institute weisen in ihrer Prognose darauf hin, dass die massive Neuverschuldung das Defizit der öffentlichen Haushalte auf 3,7 Prozent des BIP im Jahr 2026 und 4,2 Prozent im Jahr 2027 erhöhe. Damit steige der Bruttoschuldenstand auf 67,2 Prozent des BIP. Zwar bewerten sie den fiskalischen Schub als wichtigen Konjunkturtreiber, weisen jedoch auf die langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und die erheblichen Konsolidierungserfordernisse zum Ende des Jahrzehnts hin.
Angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sie sich zudem gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken: Damit würden wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt. Sie plädieren stattdessen für zielgerichtete soziale Ausgleichmaßnahmen. Nach Ansicht der Institute kommt es nun verstärkt auf eine Wachstumspolitik an, die dafür sorge, private ökonomische Aktivität zu erleichtern, indem regulatorische Beschränkungen reduziert werden. Dies werde Potenzialreserven heben. Die Institute empfehlen, sowohl die Arbeitsanreize zu stärken als auch die Bedingungen für Investitionen und Innovationen zu verbessern.
Text: Creditreform Wirtschaftsnews Ausgabe 4/2026
Foto: Adobe Stock - Aleks Taurus
Kontakt
Mag. Gerhard M. Weinhofer
Unternehmenskommunikation
Mitglied der Geschäftsleitung

