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Unsichtbare Investitionen – verändert das unseren Blick auf Unternehmenswerte?
Investitionen waren lange sichtbar. Eine neue Produktionshalle, eine Maschine oder ein größerer Fuhrpark ließen unmittelbar erkennen, wo ein Unternehmen Kapital einsetzt.
Heute verschiebt sich dieses Bild zunehmend. Unternehmen investieren verstärkt in Software, Daten, künstliche Intelligenz, Forschung, Prozesse und Know-how. Vermögenswerte, die man häufig nicht sehen oder anfassen kann, die für Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität aber immer wichtiger werden.
Die Europäische Zentralbank beobachtet diese Entwicklung inzwischen sehr konkret. Digitale Investitionen im Euroraum sind zwischen 2014 und 2024 deutlich stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung und die gesamten Unternehmensinvestitionen. Unternehmen im Euroraum planten für 2026 im Durchschnitt bereits rund 9 Prozent ihrer gesamten Investitionen für KI ein.
Damit stellt sich eine spannende wirtschaftliche Frage: Wie beurteilen wir ein Unternehmen, dessen zukünftiger Wert immer weniger in klassischen Sachanlagen steckt?
Eine Maschine besitzt einen Anschaffungswert, eine Nutzungsdauer und häufig auch einen verwertbaren Restwert. Bei einer Investition in Daten, KI, Software oder internes Know-how ist die Bewertung wesentlich schwieriger und komplexer. Der wirtschaftliche Erfolg hängt davon ab, ob aus der Investition tatsächlich Produktivität, bessere Prozesse oder neue Geschäftsmodelle entstehen.
Das verändert nicht nur Investitionsentscheidungen. Es verändert auch Finanzierung und Risikobeurteilung.
Gerade das traditionell stark bankenbasierte Finanzierungssystem im Euroraum ist laut EZB strukturell weniger gut auf langfristige, immaterielle Investitionen ausgerichtet. Junge Technologieunternehmen haben beispielsweise häufig hohe Entwicklungskosten und gleichzeitig Bilanzen, die stark von geistigem Eigentum und anderen immateriellen Werten geprägt sind.
Für Geschäftsführer, Banken, Investoren und Geschäftspartner wird deshalb die Frage nach dem Unternehmenswert anspruchsvoller. Historische Bilanzzahlen bleiben wichtig, sie erzählen aber möglicherweise einen immer kleineren Teil der Geschichte.
Wer Unternehmen beurteilt, muss stärker verstehen, wohin investiert wird, ob daraus ein nachhaltiger wirtschaftlicher Nutzen entsteht und welche Abhängigkeiten damit verbunden sind. Denn auch eine hohe Investition in KI ist nicht automatisch ein Zeichen von Stärke. Die EZB weist ausdrücklich darauf hin, dass die gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsgewinne durch KI bislang noch begrenzt und mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind.
Vielleicht verändert KI deshalb gerade nicht nur unsere Arbeitsweise. KI verändert auch, was wir unter einer Investition verstehen und welche Informationen wir benötigen, um die wirtschaftliche Stärke eines Unternehmens richtig einzuschätzen.
Quellenhinweis: Europäische Zentralbank, „AI and the euro area economy“, März 2026; ECB SAFE-Daten.
Text: Creditreform Österreich
Foto: Mit KI generiert
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Mag. Gerhard M. Weinhofer
Unternehmenskommunikation
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