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Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2026

Die Insolvenzsituation in Deutschland bleibt im ersten Halbjahr 2026 angespannt. Mit 12.900 Unternehmensinsolvenzen wurde der höchste Halbjahreswert seit 2013 erreicht. Insgesamt stieg die Zahl der Insolvenzen inklusive Verbraucher- und sonstiger Verfahren auf 66.700 Fälle. Die Entwicklung wird weiterhin durch wirtschaftliche Schwäche, hohe Kostenbelastungen und geopolitische Unsicherheiten geprägt.

Die wirtschaftlichen Folgen der Insolvenzen bleiben erheblich. Die Schadenssumme aus Unternehmensinsolvenzen beläuft sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 28,5 Milliarden Euro, was einem durchschnittlichen Forderungsausfall von etwa 2,2 Millionen Euro je Verfahren entspricht. Damit bewegen sich die Verluste weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Parallel dazu sind rund 165.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen oder unmittelbar gefährdet, was die gesamtwirtschaftliche Relevanz der Entwicklung zusätzlich unterstreicht. Auch bei den Verbraucherinsolvenzen zeigt sich ein moderater Anstieg auf 38.800 Fälle, während die sonstigen Insolvenzen ebenfalls leicht zulegen.

Dienstleistungen als zentraler Treiber der Entwicklung

Besonders dynamisch entwickelt sich weiterhin der Dienstleistungssektor, der mit einem Zuwachs von 12,6 Prozent inzwischen mehr als 60 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen ausmacht und damit klar den größten Anteil am Insolvenzgeschehen trägt. Im Baugewerbe setzt sich der Anstieg ebenfalls fort, während der Handel leicht rückläufig ist und das Verarbeitende Gewerbe insgesamt stabil bleibt. Die gesamtwirtschaftliche Insolvenzquote steigt auf 82 Fälle je 10.000 Unternehmen und erreicht damit ein Zehnjahreshoch, das sich nahezu über alle Branchen hinweg zeigt und die breite Belastung der Unternehmenslandschaft verdeutlicht.

Strukturelle Verschiebungen im Unternehmenssektor

Strukturell zeigt sich weiterhin, dass vor allem kleine Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten das Insolvenzgeschehen dominieren und mehr als 80 Prozent aller Fälle ausmachen. Gleichzeitig nimmt jedoch der Anteil größerer Unternehmen deutlich zu, insbesondere bei Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern, wo ein Anstieg von 28,6 Prozent verzeichnet wird. Auch junge Unternehmen geraten zunehmend unter Druck, während etablierte Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz weiterhin den größten Anteil der Insolvenzen stellen.

Regionale Unterschiede bleiben deutlich sichtbar

Auch regional bleibt das Insolvenzgeschehen stark differenziert. Die höchsten Insolvenzquoten verzeichnen Berlin, Bremen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, während Bayern sowie mehrere ostdeutsche Bundesländer unterdurchschnittliche Werte aufweisen. Diese Unterschiede lassen sich insbesondere auf die jeweilige Branchenstruktur, die wirtschaftliche Dynamik sowie die regionalen Standortbedingungen zurückführen, die das Insolvenzrisiko in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich stark beeinflussen.

Zinsbelastung entwickelt sich zum zentralen Risikofaktor

Ein wesentlicher struktureller Belastungsfaktor bleibt die gestiegene Finanzierungskostenstruktur infolge des höheren Zinsniveaus. Rund 7,5 Prozent der Unternehmen verfügen über keine ausreichende Zinsdeckung, sodass das operative Ergebnis nicht mehr zur Bedienung der Zinslast ausreicht. Gleichzeitig nimmt die Spreizung innerhalb der Unternehmenslandschaft weiter zu: Während ein großer Teil der Unternehmen weiterhin solide aufgestellt ist, wächst der Anteil finanziell belasteter Firmen, bei denen sich wirtschaftliche Schwächen häufig bereits Jahre vor einer Insolvenz abzeichnen.

 

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Text: Creditreform Deutschland
Foto: Adobe Stock - vegefox.com

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