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Deutscher Mittelstand 2026: Zwischen Aufschwung und Unsicherheit

Die deutsche Wirtschaft ist mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2026 gestartet. Ein Wachstum von 1,0 bis 1,5 Prozent schien zunächst realistisch, getragen auch von staatlichen Investitionsimpulsen. Doch geopolitische Entwicklungen, insbesondere die Eskalation im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus, haben diese Erwartungen deutlich gedämpft. Steigende Energiepreise und zunehmende Unsicherheiten belasten die Konjunkturaussichten spürbar.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich im Mittelstand zwar eine leichte Stimmungsaufhellung, von einer echten Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein. Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) ist mit +5,3 Punkten wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt, nachdem er zwei Jahre im Minus lag. Diese Entwicklung wird vor allem von verbesserten Geschäftserwartungen getragen. Gleichzeitig bleibt die Einschätzung der aktuellen Lage mit -3,4 Punkten weiterhin negativ, ein Zeichen dafür, dass sich die Erholung bislang eher in den Köpfen als im operativen Geschäft widerspiegelt.

Konjunktur mit Licht und Schatten

Diese Diskrepanz zeigt sich auch in der realwirtschaftlichen Entwicklung. So verlaufen Auftragseingänge je nach Branche sehr unterschiedlich: Während das Bau- und Dienstleistungsgewerbe von steigenden Aufträgen profitieren, kämpfen Handel und Verarbeitendes Gewerbe weiterhin mit Rückgängen. Entsprechend uneinheitlich fällt auch die Umsatzentwicklung aus. Zwar melden 26,6 Prozent der Unternehmen steigende Umsätze, gleichzeitig verzeichnen jedoch 27,1 Prozent Einbußen. Besonders Dienstleister entwickeln sich vergleichsweise stabil, während andere Branchen weiterhin unter Druck stehen.

Trotz dieser gemischten Lage richten sich die Erwartungen vorsichtig nach oben. Für die kommenden Monate rechnet rund ein Drittel der Unternehmen mit steigenden Umsätzen, während nur noch 14,5 Prozent von Rückgängen ausgehen. Allerdings stehen diese optimistischeren Prognosen unter dem Vorbehalt, dass sich die geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern.

Parallel dazu verschärft sich der Kostendruck weiter. Der Anstieg der Energiepreise schlägt zunehmend auf die Angebotspreise durch: Fast jedes zweite Unternehmen hat bereits Preiserhöhungen umgesetzt, und ein ähnlich hoher Anteil plant weitere Anpassungen. Diese Entwicklung belastet nicht nur die Nachfrage, sondern wirkt sich auch auf zentrale unternehmerische Entscheidungen aus – etwa im Bereich Personal und Investitionen.

So bleibt die Beschäftigungssituation angespannt. Mit Ausnahme des Dienstleistungssektors ist die Zahl der Beschäftigten rückläufig. Fast 20 Prozent der Unternehmen haben Personal abgebaut, während nur 16,2 Prozent neue Stellen geschaffen haben. Neben der konjunkturellen Schwäche spielen hier auch strukturelle Faktoren wie Fachkräftemangel und demografischer Wandel eine entscheidende Rolle, die die Einstellungsbereitschaft zusätzlich bremsen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Investitionen. Zwar planen 44,7 Prozent der Unternehmen Investitionsvorhaben, doch bleibt dieser Wert weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Die anhaltende Unsicherheit führt dazu, dass viele Unternehmen abwarten und Investitionen vor allem in weniger risikobehaftete Bereiche wie Bau und Dienstleistungen lenken.

Immerhin gibt es bei der Ertragslage erste Anzeichen einer Stabilisierung. Auch wenn noch 37,2 Prozent der Unternehmen von sinkenden Gewinnen berichten und nur 16,9 Prozent Zuwächse verzeichnen, haben sich die Erwartungen spürbar verbessert. Erstmals seit 2021 liegen die Ertragserwartungen wieder leicht im positiven Bereich – ein vorsichtiges Signal für eine mögliche Trendwende.

Strukturwandel und Stabilität als Schlüsselthemen

Parallel dazu hat sich die Eigenkapitalbasis vieler Unternehmen weiter gestärkt. Mittlerweile gelten 36 Prozent der Betriebe als eigenkapitalstark, ein historisch hoher Wert. Diese Entwicklung ist allerdings weniger Ausdruck steigender Gewinne als vielmehr eine Folge zurückhaltender Investitionstätigkeit.

Diese Entwicklungen fügen sich in einen langfristigen Trend ein: den strukturellen Wandel der deutschen Wirtschaft. Industrie und stationärer Handel verlieren zunehmend an Bedeutung, während Dienstleistungen, Spezialisierung und personalintensive Tätigkeiten an Gewicht gewinnen. Besonders dynamisch entwickeln sich Bereiche wie Gesundheitswesen, Energieversorgung und unternehmensnahe Dienstleistungen.

Gleichzeitig geraten klassische Geschäftsmodelle immer stärker unter Druck. Digitalisierung, verändertes Konsumverhalten und steigender Wettbewerb führen zu Marktbereinigungen und verstärken Konzentrationsprozesse. Der Mittelstand steht damit nicht nur vor konjunkturellen, sondern auch vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen.

Fazit

Der deutsche Mittelstand zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, doch die Erholung bleibt fragil. Positive Erwartungen treffen auf anhaltende Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, kurzfristige Impulse in nachhaltiges Wachstum zu überführen und den wirtschaftlichen Wandel aktiv zu gestalten.

Text: Creditreform Deutschland
Foto: Adobe Stock - gopixa

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