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Creditreform Österreich CrefoAktuell

Aktuelle Trends bei den Firmeninsolvenzen in Österreich

Starker Anstieg im 4. Quartal 2021 – Wie geht es 2022 weiter?

Seit dem schnellen und beherzten Eingriff der Bundesregierung mit Beginn des ersten Lockdown im März 2020 gingen die Firmeninsolvenzen auf die niedrigsten Stand seit 30 Jahren zurück: Das viel zitierte Paradoxon von fallenden Insolvenzzahlen mitten in der größten Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg. Seit dem 3. Quartal und nun massiv verstärkt im 4. Quartal kommt es zu einer „Normalisierung“ des Insolvenzgeschehens, d.h. zum Abbau der aufgestauten, nur durch die Hilfsmaßnahmen durchgetragenen, de facto insolventen Unternehmen. Vergleicht man das 4.  Quartal 2021 mit jenem von 2020 so betrug der Anstieg der Firmeninsolvenzen unglaubliche 165%. Sogar im Vergleich mit dem 4. Quartal 2019 – also mit dem Vor-Pandemie-Niveau – sind die heimischen Insolvenzen um 85% angestiegen. Die Gründe für diese „Normalisierung“ des Insolvenzgeschehens liegen im Auslaufen der Stundungen durch GKK und Finanzämter und in der vermehrten Antragsstellung auf Insolvenzeröffnung durch eben diese Institutionen wie auch in der Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht. Dazu kommt, dass viele Unternehmer durch die volatile, stark verunsichernde Pandemiesituation, in der eine betriebswirtschaftliche Planbarkeit erschwert wird, die Reißleine gezogen haben.

Die allgemeinen Insolvenzursachen liegen in Managementfehlern, im Wettbewerb (Preiskampf, sinkende Margen) sowie im Mangel an Kapital und damit konkret in Problemen bei der Rückzahlung der gestundeten Abgaben und Steuern. Da es nur wenige Großinsolvenzen gab, sind sowohl die Insolvenzpassiva (ca. 1,1 Mrd. Euro) als auch die betroffenen Arbeitsplätze (ca. 8.800) stark rückläufig. Waren in den Jahren vor Covid immer rund 5.500 Unternehmen insolvent, so ist der Rückgang um mehr als jeweils 2.000 Fälle in den vergangenen beiden Jahren 2020 und 2021 untypisch. 

Creditreform hat von Univ.-Prof. Walter Schwaiger von der TU Wien die Ausfallsrisiken der Unternehmen durch den so genannten Verhinderungseffekt - Insolvenzen, die durch die staatlichen Maßnahmen verhindert wurden – errechnen lassen. Prof. Schwaiger schätzt, dass rund 2.500 Unternehmen (stark) insolvenzgefährdet sind. Sollte diese Gefahrenpotential für die Gläubiger schlagend werden, würde Österreich wieder bei der Vor-Corona-Lage von 5.000 und mehr Insolvenzen landen. Verstärkt wird die Insolvenzgefährdung durch derzeit nicht einschätzbare Entwicklungen in der Pandemiebekämpfung sowie durch weitere wirtschaftliche Unsicherheiten wie Inflation/Preisdruck, Fachkräftemangel und Mehrkosten durch die Klimapolitik. Das werden zuerst die Kleinst- und Kleinunternehmen zu spüren bekommen.

Das neue Jahr 2022 wird somit auf jeden Fall ein Mehr an Firmeninsolvenzen bringen.



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Mag. Gerhard M. Weinhofer
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