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CrefoAktuell

Aktuelle Insolvenzentwicklung in Österreich, Herbst 2021

Österreich hat nun die Talsohle erreicht und die Insolvenzen dürften in diesem Jahr das Vorjahresniveau halten.

Firmeninsolvenzen

Die Firmeninsolvenzen steigen wieder. Im 3. Quartal 2021 sind diese um 36% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 angestiegen, und auch gegenüber dem 3. Quartal 2019 verzeichneten wir um 18% mehr Insolvenzeröffnungen. Im September allein betrug der Anstieg 77% (gegenüber September 2019: 34%), im Oktober gar 150%. Grund ist der Wegfall der Einschränkungen im Insolvenzrecht sowie das Auslaufen der Abgabenstundungen und weiterer Covid-Hilfsmaßnahmen. Finanz und GKK stellen auch wieder vermehrt Insolvenzanträge. Am stärksten waren der Bau, der Handel und die unternehmensbezogenen Dienstleistungen betroffen. Die stärksten Rückgänge gab es in der Industrie und in der Gastronomie bzw. im Tourismus.

Forecast 2021/2022

Österreich hat nun die Talsohle erreicht und die Insolvenzen dürften in diesem Jahr das Vorjahresniveau von rund 3.100 Firmeninsolvenzverfahren (Eröffnungen und Abweisungen) halten. 2022 rechnet Creditreform mit einer steten Rückkehr auf das Vorkrisenniveau von rund 5.000 Insolvenzen. Auch weil die staatlichen Hilfen massiv zurückgefahren werden, siehe dazu z.B. BMF Blümel im Rahmen des Budgetbeschlusses. Das Gründungsgeschehen hat im 1. Halbjahr 2021 ebenfalls wieder einen Aufschwung erfahren, sodass man bei rund 35.000 Neugründungen im laufenden Jahr ankommen wird. Viele Neugründungen bedeuten aber auf der anderen Seite auch wieder verstärkte Marktaustritte (durch Unternehmensschließungen und Insolvenzen). Durch den neuerlichen Gesamt-Lockdown sieht Creditreform aufgrund der staatlichen Hilfen keine Verschärfung der Lage, allerdings dürfte das Lieferkettenproblem einen (starken) Einfluss auf die Exportwirtschaft und die Konjunkturentwicklung haben. Abzuwarten bleibt der Wintertourismus, der vor allem in Westösterreich eine wesentliche Rolle für die Konjunkturentwicklung spielt.

Privatinsolvenzen

Die Schuldenregulierungsverfahren sind im 3. Quartal 2021 weiter, wenn auch etwas schwächer als zuvor, um 12% gesunken, allerdings allein im September um 8% gestiegen. Es dürfte sich nun langsam das neue, schnellere Entschuldungsverfahren („Tilgungsplan“) herumgesprochen haben und anfängliche verfahrensrechtliche Unsicherheiten (bei der Schuldnerberatung) beseitigt sein. Der Tilgungsplan wird bisher aber nur zurückhaltend beantragt. Die Schuldner wünschen nach wie vor eine Entschuldung mittels Zahlungsplan. Die Durchschnittsquote für die Gläubiger liegt übrigens bei rund 28%, ein Spitzenwert im europäischen Vergleich.

Offenkundige Zahlungsunfähigkeit

Bis dato gibt es erst wenige Veröffentlichungen in der Ediktsdatei und diese erfolgen vor allem durch Bezirksgerichte in Tirol. In Wien gibt es bisher nur vereinzelte Verfahren. In den Creditreform-Auskünften sind auf jeden Fall alle Verfahren entsprechend ersichtlich. Im täglichen Creditreform Insolvenzradar sowie ab dieser Woche auch im wöchentlichen CrefoAktuell wird dieses neue Negativkriterium veröffentlicht.



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Mag. Gerhard M. Weinhofer
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