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30, 60, 90 Tage Zahlungsziel – Working Capital

Unternehmen optimieren heute nahezu jeden Bereich ihrer Finanzierung. Einkaufskonditionen werden verhandelt, Lagerbestände reduziert, Finanzierungslinien gesteuert und Working Capital bis ins Detail analysiert. Bei einem Punkt scheint diese Konsequenz jedoch häufig zu enden, nämlich bei offenen Forderungen.

Zahlungsziele von 30, 60 oder (längstens) 90 Tagen sind im Geschäftsverkehr längst etabliert. Problematisch wird es aber dort, wo aus einem vereinbarten Zahlungsziel ein regelmäßig überschrittenes Zahlungsziel wird und diese Überschreitung als normaler Bestandteil einer Geschäftsbeziehung akzeptiert wird.

Wirtschaftlich betrachtet passiert dabei etwas sehr Einfaches. Ein Unternehmen liefert eine Ware oder Dienstleistung, bezahlt Personal, Material und laufende Kosten, erhält sein Geld aber erst Wochen oder Monate später.

Das Working Capital des einen Unternehmens wird damit auf Kosten des Working Capitals eines anderen optimiert. Bewusst?

Ein Zahlungsziel ist eine kommerzielle Vereinbarung. Wird darüber hinaus regelmäßig später bezahlt, entsteht faktisch eine Finanzierung. Meist ungeplant, unbepreist und zulasten des Lieferanten. Damit wird aus einer vermeintlich administrativen bzw. operativen Frage sehr schnell eine Managementfrage.

Wie viel Liquidität steckt tatsächlich in überfälligen Forderungen? Welche Kunden finanzieren wir faktisch mit? Wie konsequent werden vereinbarte Zahlungsziele durchgesetzt? Und unterscheiden wir ausreichend zwischen strategisch sinnvollen Zahlungsbedingungen und bloß toleriertem Zahlungsverzug?

Noch wichtiger wird eine weitere Frage. Wann ist eine verspätete Zahlung nicht mehr nur ein Liquiditätsthema, sondern ein Risiko?

Ein einzelner Zahlungsverzug muss noch wenig über die wirtschaftliche Situation eines Geschäftspartners aussagen. Verändert sich das Zahlungsverhalten jedoch systematisch, verlängern sich Zahlungsintervalle oder werden Vereinbarungen wiederholt nicht eingehalten, sollte dies zumindest Anlass für eine genauere Betrachtung sein.

Genau deshalb beginnt professionelles Forderungsmanagement nicht erst mit der ersten Mahnung. Es beginnt bereits bei der Entscheidung, wem ein Unternehmen welches Zahlungsziel zu welchen Bedingungen einräumt. Bonitätsinformationen, laufendes Monitoring und das tatsächliche Zahlungsverhalten gehören dabei zusammen. Erst daraus entsteht ein Gesamtbild, auf dessen Basis wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen getroffen werden können.

Das ist gerade in einem Umfeld relevant, in dem Unternehmen selbst mit höheren Finanzierungskosten, schwacher Konjunktur und steigenden Anforderungen an ihre Liquiditätssteuerung umgehen müssen. Jeder zusätzliche Tag zwischen Leistung und Zahlung bindet Kapital.

Eine offene Rechnung ist somit nicht nur eine Forderung in der Buchhaltung. Sie ist Liquidität, die einem Unternehmen fehlt und einem anderen überlassen wird.

Text: Creditreform Österreich
Foto: Adobe Stock - chaylek

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Mag. Gerhard M. Weinhofer
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