Zurückhaltende Stimmung im Kreditmanagement

Der Wert des CMI® - CreditManagementIndex verzeichnet, nach zwei Anstiegen um insgesamt 1,36 Punkte, einen Abstieg von ehemals 56,75 Punkte auf 54,76 Punkte und erreicht somit den tiefsten Wert seit Q2/2016. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutet dies sogar einen Verlust von 5,25 Punkten. Trotz hoher Verluste weist der CMI® einen Wert über 50 Punkten auf und impliziert somit weiterhin eine Wachstumstendenz.


Die Prognosen der Berichtenden für den Binnenmarkt fallen zum Jahresbeginn zurückhaltender aus als noch im Vorjahr. Zwar wird der Umsatz in dieser Periode um 14,93 Punkte höher erwartet (78,57 Punkte) als noch in Q4/2016 (63,64 Punkte), allerdings befand sich die Ausprägung dieser Kennzahl bereits schon auf 79,17 Punkte in Q3/2017 und sogar 88,89 Punkte in Q1/2017. Die Konsequenz dessen ist, trotz der aktuell hohen Punktzahl bzw. positiven Umsatzprognose, eine Verschlechterung um 0,6 Punkte. Diese Kennzahlenausprägung bleibt dennoch die höchste im CMI® für dieses Quartal. Neben diesem Spitzenwert können die Kennzahlen Zahlungseingänge,
Wert strittiger Forderungen, insolvente Kunden, Geschäftsklimaerwartungen und Wertberichtigungen auf Forderungen die vormals positiven Erwartungen manifestieren und ausbauen. Im Durchschnitt steigen diese Kennzahlen um 3,5 Punkte.

Besondere Beachtung kommt hierbei den insolventen Kunden und der Geschäftsklimaerwartung zu. Beide Kennzahlen steigen um 5,36 Punkte auf 67,86 Punkte. Im Umkehrschluss bedeutet dies einen erwarteten Rückgang der insolventen Kunden und eine Aufwertung des Geschäftsklimas. Vor allem letzterer Trend deckt sich mit dem Anstieg des Ifo-Index (halbiert) von 58,35 Punkten auf 58,80 Punkten.

Gleichwohl verlieren sieben Kennzahlen des Binnenmarkts mit ehemals positiven Ausprägungen an Substanz. Hierdurch ergibt sich ein gemittelter Verlust von 7,73 Punkten. Betroffen von diesem Rückgang sind die erwähnte Umsatzprognose und zudem die Kennzahlen neu geprüfte Kreditanträge, abgelehnte Kreditanträge, abgegebene Forderungen (Inkasso), Wert der Kundenabzüge, Anzahl der Auftragseingänge sowie durchschnittliche Außenstandsdauer. Insbesondere die Anzahl der Auftragseingänge und die neu geprüften Kreditanträge erfahren einen erheblichen Rückgang. Die Anzahl der Auftragseingänge reduziert sich von 70,83 Punkte auf nur noch 50 Punkte und wird somit für das Quartal als stagnierend prognostiziert.

Die Ausprägung der Kennzahl für die neu geprüften Kreditanträge verringert sich stattdessen zwar nur um 15,47 Punkte, allerdings wird hierdurch die 50-Punkte-Marke unterschritten und somit ein Rückgang an neu geprüften Kreditanträgen erwartet. Darüber hinaus unterliegen die Kennzahlen für das Volumen an offenen Forderungen und für den Wert der überfälligen Forderungen einem stetigen Abwärtstrend. Seit Q1/2017 fallen beide Kennzahlen und haben bereits in Q3/2017 die 50-Punkte-Marke unterschritten. Durch diesen weiteren Verlust notiert die Kennzahl für das Volumen an offenen Forderungen auf einem Rekordtief von 32,14 Punkten. Dies impliziert eine Verringerung des Volumens an offenen Forderungen. Insgesamt scheint der Binnenmarkt ein wirtschaftliches positives Plateau erreicht zu haben.


Neben den Binnenmarktkennzahlen verschlechtern sich ebenfalls die Kennzahlen im Bereich der Kreditversicherung. Alle drei Kennzahlen verlieren im Mittel 3,17 Punkte. „Der Gesamtwert der  versicherten Kreditlimite und die Limitstreichungen behaupten sich weiterhin über der 50-Punkte-Marke“, sagt Jan Schneider-Maessen, Vorstandsvorsitzender des BvCM e.V. „Dies setzt positive Zeichen für das Kreditversicherungsgeschäft, da dies unter Berücksichtigung der historischen Werte eine anhaltende positive Entwicklung prognostiziert.“. Allerdings setzt das Verhältnis der beantragten zu den bewilligten Kreditlimiten den in Q3/2017 begonnen negativ Trend fort und erreicht nur noch eine Punktzahl von 39,29 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Kreditversicherungsbereich dennoch ein Plus von 0,87 Punkten.


„Der deutsche Export hat zum Abschluss des letzten Jahres wieder einmal umstrittene Rekorde erzielt. Als exportstarke Nation hat Deutschland abermals den größten Überschuss in der Leistungsbilanz erwirtschaftet“, sagt Prof. Dr. Matthias Schumann, Leiter der Professur für Anwendungssysteme und E-Business an der Georg-August-Universität Göttingen und Vorstandsbeirat des BvCM e.V. „Dies erklärt auch den starken prognostizierten Anstieg im Exportumsatz des CMI um 10,71 Punkte.“ Neben dem von Herrn Prof. Dr. Matthias Schumann erwähnten Anstieg des Exportumsatzes, verzeichnen die weiteren Exportkennzahlen allerdings ein konträres Bild. Sowohl die Ausprägungen der durchschnittlichen Außenstandsdauer als auch der abgegebenen Forderungen (Inkasso) verlieren im Vergleich zum Vorquartal 7,14 bzw. 3,57 Punkte und sinken somit auf ein Ein-Jahres-Tief unter die 50-Punkte-Marke.

Im direkten Vergleich des CMI® mit dem NACM-CMI lässt sich ein kongruentes Verhalten erkennen. Beide Indizes weisen einen Verlust von 1,99 bzw. 0,40 Punkten auf, liegen allerdings über der 50-Punkte-Marke und implizieren weiterhin einen Wachstumstrend. Trotz der guten Wachstumsprognose der deutschen Wirtschaft, die sich ebenfalls im Ifo-Index (halbiert) und dem deutschen Einkaufsmanagerindex mit einer Erhöhung von 0,45 bzw. 0,70 Punkten widerspiegelt, bleibt die Stimmung im Kreditmanagementbereich zurückhaltend aber nach wie vor positiv. Es ist daher abzuwarten, ob sich die positive Stimmung der deutschen Wirtschaft in der nächsten Prognoseperiode ebenfalls auf die Berichtenden und den Kreditmanagementbereich überträgt.

Quelle/Autor: „Der CreditManager“, Kevin Koch, M.Sc. in Wirtsch.-Inf.
Georg-August-Universität Göttingen, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

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