Unternehmensinsolvenzen in Mittel- und Osteuropa

In Mittel- und Osteuropa setzte sich nach der aktuellen Studie der Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung der Rückgang der Insolvenzen fort. Im Jahr 2018 belief sich die Zahl der registrierten Insolvenzfälle (ohne Ungarn) auf 46.698 (minus 6,6 Prozent). In sieben Ländern wurden weniger Insolvenzfälle gemeldet, sechsmal (Bulgarien, Lettland, Mazedonien, Polen, Slowenien, Ukraine) war ein Anstieg zu verzeichnen. Am stärksten war der prozentuale Anstieg dabei in Mazedonien (plus 309,2 Prozent). Nach einem Regierungswechsel mussten viele Firmen, die mit dem alten Regime kooperiert hatten, Insolvenz anmelden. Auch in Bulgarien (plus 29,5 Prozent) kam es zu einem deutlichen, zweistelligen Anstieg. Spürbar zurückgegangen sind die Insolvenzzahlen hingegen in Tschechien (minus 42,4 Prozent) und in der Slowakei (minus 29,7 Prozent). Zur Entwicklung in Ungarn lagen 2018 keine Daten vor.

Abb. 1: Unternehmensinsolvenzen in Mittl- und Osteuropa

Basierend auf den Angaben aus den drei baltischen Staaten sowie aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien lassen sich die Insolvenzfälle Osteuropas hinsichtlich der Wirtschaftsstruktur darstellen. Demnach entfiel der überwiegende Teil des Insolvenzgeschehens im Jahr 2018 auf den Handel inkl. Gastgewerbe (2018: 38,4 Prozent aller Fälle). Gegenüber dem Vorjahr (39,8 Prozent) hat sich der Anteil dieses Sektors aber verringert. Mehr Insolvenzen gab es hingegen im Dienstleistungsgewerbe. Der entsprechende Prozentanteil erhöhte sich von 25,8 auf 30,0 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe (16,1 Prozent; minus 2,1 Prozentpunkte) verringerte seinen Anteil am Insolvenzgeschehen in Osteuropa deutlich, das Baugewerbe (15,5 Prozent; minus 0,7 Prozentpunkte) nur leicht.

Tab. 1: Anteil der Hauptwirtschaftsbereiche am Insolvenzgeschehen in Mittel- und Osteuropa

Auf dieser Grundlage lassen sich in den vier Hauptwirtschaftsbereichen die Entwicklungen im Jahresvergleich darstellen. So zeigten sich gegenüber dem Jahr 2017 deutliche Rückgänge in den Sektoren Verarbeitendes Gewerbe (minus 17,7 Prozent), Baugewerbe (minus 11,0 Prozent) und Handel (minus 10,2 Prozent). Zuwächse verzeichnete hingegen das Dienstleistungsgewerbe (plus 8,2 Prozent).

Abb. 2: Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen nach Wirtschaftsbereichen in Mittel- und Osteuropa 2017/18

Es folgt der Überblick über die aktuellen Insolvenzentwicklungen in einzelnen Ländern Mittel- und Osteuropas.

Nach einem Anstieg um knapp 30 Prozent im Jahr 2018 verzeichnete Bulgarien insgesamt 1.112 Unternehmensinsolvenzen (2017: 859). Die meisten Insolvenzen gab es im Dienstleistungsgewerbe (62,5 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt vom Handel (inkl. Gastgewerbe). Schätzungsweise 10.000 Beschäftigte waren von der Insolvenz betroffen. Insolvenzverfahren in Bulgarien sind für Kreditgeber und Gläubiger oft langwierig und mühsam.

 

Erneut deutlich verringert haben sich die Insolvenzen in Kroatien. 2018 waren gut 8.000 Firmen betroffen – im Vorjahr waren es noch fast 11.000 Unternehmen. Nachdem das Insolvenzrecht 2015 reformiert worden war, schoss die Zahl der Insolvenzen zunächst in die Höhe. Mittlerweile hat sich das Geschehen aber deutlich beruhigt, auch weil die Wirtschaftsentwicklung positiv verlief. In der überwiegenden Zahl der Insolvenzen wiesen die betroffenen Unternehmen allerdings keinerlei Insolvenzmasse auf und die Gläubiger dürften leer ausgehen.

 

In Estland sind die Insolvenzzahlen ebenfalls deutlich zurückgegangen (minus 20,4 Prozent). Insgesamt wurden 273 Unternehmens-insolvenzen registriert (2017: 343). Überdurchschnittlich stark war der Rückgang diesmal im Dienstleistungsgewerbe. Aber auch die übrigen Wirtschaftsbereiche verzeichneten ein rückläufiges Insolvenzgeschehen.

 

Kaum verändert haben sich die Insolvenzzahlen in Lettland, nach dem kräftigen Minus im Vorjahr. Insgesamt wurden 591 Fälle gemeldet (Vorjahr: 587). Die Wirtschaftsentwicklung in dem osteuropäischen Land hatte sich zuletzt etwas verlangsamt. Offenbar reichte es dadurch nicht für eine Fortsetzung der Entspannung des Insolvenzgeschehens. Verringert hat sich aber der Anteil des Handels (inkl. Gastgewerbe) am Insolvenzgeschehen. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es hingegen mehr Insolvenzen als im Jahr zuvor.

 

In Litauen gab es im Jahr 2018 weniger Insolvenzen als im Vorjahr – 2.219 Unternehmen waren betroffen (2017: 2.865). Die meisten Insolvenzen wurden erneut im Handel (inkl. Gastgewerbe) registriert (38,8 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt vom Dienstleistungsgewerbe (36,1 Prozent).

 

Einen leichten Anstieg der Insolvenzzahlen meldete Polen. Im Jahresverlauf 2018 wurden 629 Unternehmensinsolvenzen registriert (plus 1,8 Prozent). Dabei entspannte sich die Insolvenzsituation im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe, wo es zu Rückgängen kam. Im Handel allerdings sowie auch im Dienstleistungsgewerbe nahmen die Insolvenzen zuletzt zu. Zugenommen hat zudem die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer (2018: 23.000; 2017: 22.000).

 

Nur geringfügig verändert haben sich die Insolvenzzahlen in Rumänien. 2018 war ein leichter Rückgang der Unternehmensinsolvenzen (minus 1,0 Prozent) zu verzeichnen. Im Vorjahr kam es noch zu einem leichten Aufwuchs (plus 2,5 Prozent). Insgesamt wurden 8.177 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Stärker als im Trend kam es zu Rückgängen im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Handel und Gastgewerbe. Im Baugewerbe wurden hingegen mehr Insolvenzen registriert als im Jahr zuvor. Handel und Gastgewerbe machen mit über 40 Prozent weiterhin den größten Teil des Insolvenzgeschehens in Rumänien aus. Mittlere und größere Unternehmen waren weniger häufig von Insolvenz betroffen als noch in den Vorjahren.

 

Deutlich verringert haben sich die Insolvenzzahlen in der Tschechischen Republik (minus 42,4 Prozent). Im Jahresverlauf 2018 waren noch gut 1.000 Unternehmensinsolvenzen zu beklagen – im Vorjahr gingen noch gut 1.800 Firmen in die Insolvenz, 2015 noch über 3.000. Schätzungsweise 25.000 Personen waren in den insolventen Unternehmen tätig. Im Vorjahr dürften noch mehr als 30.000 Beschäftigte betroffen gewesen sein. Eine Vielzahl an Insolvenzen von Gewerbetreibenden werden in Tschechien den Privatpersoneninsolvenzen zurechnet und finden in dieser Statistik keine Berücksichtigung.

 

Ebenfalls deutlich gesunken sind die Insolvenzzahlen in der Slowakei (minus 29,7 Prozent). 260 Insolvenzverfahren wurden bei den Amtsgerichten angemeldet.

 

 

Für die Ukraine wurden gut 20.000 gewerbliche Insolvenzen gemeldet. Dieser Wert entsprach weitgehend der Zahl aus dem Vorjahr (plus 0,9 Prozent). Insgesamt ist in den letzten Jahren aber ein ansteigender Trend festzustellen, vergleicht man die jährlichen Insolvenzzahlen beispielsweise aus den Jahren 2014 und 2015. Die Steigerung der Insolvenzen dürfte auf die immer noch schlechte wirtschaftliche und politische Situation im Land zurückzuführen sein.

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