Schulden weltweit - und vor allem in China

Im Hinblick auf die Schulden ist die Globalisierung gelungen: Die Verschuldung der Welt hat weiter zugenommen. Nimmt man die Staaten, die Unternehmen und schließlich die Verbraucher zusammen, so ist das Volumen der Schulden in den letzten Jahren von 97 Billionen Dollar im Jahre 2007 auf 169 Billionen Dollar im Jahr 2017 gestiegen. Mit dem Stichwort „Schuldenkrise“ wird deutlich, wer in den meisten Fällen der Verantwortliche ist. Fast die Hälfte des globalen Schuldenbergs (43 %) wurde von den staatlichen Haushalten verursacht. Dicht dahinter rangieren die Unternehmen mit rund 40 % des Gesamtschuldenaufkommens weltweit. Auch bei den Unternehmen hat fast eine Verdopplung stattgefunden, die Schulden betrugen 2007 noch 37 Millionen Dollar und liegen nun bei rund 66 Billionen Dollar (2017).

Härtere Vorgaben nur schwer durchzusetzen

Dieses Niveau der Schulden hat in Europa die Bankenaufsicht auf den Plan gerufen. Denn in vielen Fällen sind die Betriebe bei ihrer Hausbank verschuldet. Erreichen die notleidenden Kredite bei einer Bank eine gewisse Höhe, so ist fraglich, ob sie dieses Niveau im Hinblick auf ihre Stabilität noch tolerieren kann. Nun hat die EZB verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Bestände vom Ausfall gefährdeter Kredite in den Griff zu bekommen. Doch die strengen Vorgaben ließen sich nicht durchhalten. Vor allem von italienischer Seite wurde gegen die Vorschriften Sturm gelaufen. Das ist kein Wunder. Lagen doch Ende des Vorjahres Anteile notleidender Kredite im Durchschnitt aller Banken, die von der EZB beaufsichtigt werden, in Italien bei 11,1 %. Im Vergleich dazu zeigt Deutschland einen Wert von 1,9 %. Immerhin ist anzumerken, dass die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite in den Bilanzen der beaufsichtigten Banken zwischen Sommer 2016 und ein Jahr später von 936 Milliarden Dollar auf 721 Milliarden Dollar gesunken ist. Dieser Rückgang wurde auch von den italienischen Banken vollzogen: Ihr Volumen schlechter Kredite ging von 271 auf 187 Milliarden Euro zurück.
Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey steht Europa angesichts steigender globaler Unternehmensschulden recht solide da. Wenig verwunderlich, dass deutsche Unternehmen am wenigsten verschuldet sind. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt kommen deutsche Unternehmen auf eine Schuldenquote von 54 %. Das ist selbst im Kontext europäischer Unternehmen wenig. So liegt die Verschuldung französischer Unternehmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bei 134 % und in Irland sogar bei 215 %.

Schuldenberg in China

Wirklich sorgen macht die Situation in China. Die chinesische Wirtschaft wächst seit vielen Jahren weit über dem Niveau der westlichen Industrieländer hinaus. Hand in Hand mit dieser guten Entwicklung geht allerdings eine zunehmend kritischere Überschuldungssituation der Unternehmen. Die Unternehmensschulden betragen rund 163 % des Bruttoinlandsproduktes – vor zehn Jahren waren es noch knapp 100 % gewesen. In vielen Fällen handelt es sich um Unternehmensanleihen, die für das Schulden- aufkommen verantwortlich sind. Deren Markt ist in den USA deutlich weiter entwickelt als in Westeuropa, aber auch in Westeuropa ist der Anteil der Unternehmensschulden via Anleihe von 9 % auf 17 % innerhalb der letzten Dekade gestiegen.


Anleihen werden schwächer bewertet

Bei den Anleihen sind weniger die Banken als andere Käufer betroffen, wenn es um einen Ausfall gehen würde. Die Situation ist prekär, weil sich der Anteil der spekulativen Anleihen, Anleihen also, die wenig verlässlich im Hinblick auf die Rückzahlung sind, in den letzten Jahren vervierfacht hat. Die Ratingagenturen sprechen auch über Anleihen, die in den nächsten vier Jahren fällig werden und in diesem Zeitraum mit rund 2 Billionen Dollar Ausfall bedroht sind. In vielen Fällen werden die auslaufenden Anleihen verlängert werden müssen. Und dies vor dem Hintergrund eines weltweit ansteigenden Zinsniveaus. Da wird die Anschlussfinanzierung möglicherweise zum Problem werden. Nach Berechnungen von McKinsey wären bei einem Zinsanstieg um 200 Basispunkte in Deutschland nur 7 % der Anleihen gefährdet – in China würde dagegen der Anteil 53 % betragen – und dies bei der Größe des chinesischen Anleihemarktes.

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Quelle: Creditreform Risikomanagement-Newsletter 03/2018, Verband der Vereine Creditreform e.V., Neuss

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