Länderratings für Österreich und Deutschland

Österreich

Creditreform Rating hat das unbeauftragte langfristige Sovereign Rating der Republik Österreich mit „AA+“ bestätigt. Zudem hat Creditreform Rating die Ratings für vorrangige, unbesicherte Schuldtitel in aus- und inländischer Währung mit „AA+“ bestätigt. Der Ausblick ist stabil.

  • Wir schätzen Österreichs institutionellen Rahmen weiterhin als sehr stark ein. Zudem hat die politische Unsicherheit nach den vorgezogenen Neuwahlen im Oktober 2017 abgenommen, da die neugebildete Koalition zum Jahreswechsel ein auf Reformen fokussiertes Regierungsprogramm vorgelegt hat. Des Weiteren hat sich die Bundesregierung dazu bekannt, allen nationalen und internationalen Verpflichtungen gegenüber der EU, insbesondere den Stabilitäts- und Wachstumspakt, nachzukommen.
  • Die wohlhabende Wirtschaft des Landes, die durch einen hohen Diversifikationsgrad geprägt ist, verzeichnete 2017 reges Wachstum, das von einer Belebung der Investitionstätigkeit und der Exporte gestützt wurde. Mit Blick auf 2018-19 gestalten sich die Wachstumsperspektiven ebenfalls positiv, der starke Arbeitsmarkt sollte weiter ein Eckpfeiler des wirtschaftlichen Aufschwungs bleiben.
  • Die Situation der öffentlichen Haushalte hat sich im abgelaufenen Jahr weiter verbessert. Starkes Wirtschaftswachstum, Erlöse aus der Abwicklung von Bad Banks und sinkende Zinsausgaben haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Dennoch bleibt die staatliche Verschuldung auf erhöhtem Niveau. Gleichzeitig stellen staatliche Finanzgarantien in erheblichem Umfang, sowie der prognostizierte Anstieg altersbedingter Ausgaben nach wie vor eine Herausforderung für die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen dar.
  • Dauerhafte Leistungsbilanzüberschüsse sorgen dafür, dass Österreich Nettokreditgeber gegenüber dem Ausland bleibt. Somit verfügt die Volkswirtschaft über einen gewissen Puffer um externe Schocks abzufedern.

Deutschland

Creditreform Rating hat zudem das unbeauftragte langfristige Sovereign Rating der Bundesrepublik Deutschland mit „AAA“ bestätigt. Die Ratings für vorrangige, unbesicherte Schuldtitel in aus- und inländischer Währung wurden ebenfalls mit „AAA“ bestätigt. Der Ausblick ist stabil. Worin bestehen die markantesten Unterschiede im Kreditprofil der beiden Nachbarstaaten?

  • Beide Volkswirtschaften sind wohlhabend, gut diversifiziert und verfügen über dynamische Arbeitsmärkte. Das Trendwachstum und BIP pro Kopf sind ebenfalls vergleichbar hoch. Deutschland verfügt jedoch über einen sehr großen Binnenmarkt (Konsum und Investitionen), der in 2017 mehr als achtmal größer war als sein österreichisches Pendant. Dies erhöht die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in besonderem Maße. Gleichzeitig hat sich Österreich im Global Competitiveness Ranking des World Economic Forum in den vergangenen beiden Jahren um fünf Plätze auf Rang 18 (aus weltweit 138 Volkswirtschaften) geschoben. Allerdings stehen im Euroraum Deutschland, die Niederlande und Finnland deutlich vor Österreich.
  • Sowohl Österreich, als auch Deutschland verfügen über glaubwürdige Institutionen von hoher Qualität. Verglichen mit den anderen Ländern im Euroraum ist die Qualität der Institutionen in beiden Ländern als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Allerdings ist festzuhalten, dass Österreich bspw. bei den meisten von uns herangezogenen World Governance Indikatoren der Weltbank (Government Effectiveness, Voice & Creditreform – Accountability, Control of Corruption) etwas schlechter abschneidet als Deutschland. Der Vergleich mit anderen AAA-gerateten Staaten wie den Niederlanden, Luxembourg und Dänemark bestätigt den Abstand zwischen Österreich und internationalen „Best-Practices“ ebenfalls.
  • Zwar wiesen beide Länder vor der Finanzkrise eine Staatsverschuldung in vergleichbarer Höhe auf. Allerdings haben die Folgekosten der Finanzkrise (insbes. Bankenrestrukturierungen) aber auch langsameres Wirtschaftswachstum dazu geführt, dass Österreichs Staatsverschuldung erst 2015 ihren Gipfel erreicht hat, während Deutschlands Schulden bereits seit 2013 ohne Unterbrechung sinken. Der zeitliche Vorsprung bei der Haushaltskonsolidierung hat dazu geführt, dass die deutsche Staatsschuldenquote in 2017 bei 64,1% des BIP lag und damit deutlich niedriger als in Österreich (78,4% BIP). Auch verglichen mit der AAA-Peergroup fällt die österreichische Verschuldung deutlich höher aus. Die unterschiedlichen Schuldenniveaus spiegeln sich auch in der Zinsbelastung für den Staatshaushalt wider. Während Österreich in 2017 3,8% seiner Staatseinnahmen für Zinszahlungen aufwenden musste, waren es in Deutschland nur 2,3%. In den Niederlanden, Dänemark und Luxemburg wurden zwischen 0,8 und 2,2% der Staatseinnahmen für Zinsen ausgegeben. Somit ist nicht nur die Schuldenlast in den AAA-Ländern niedriger als in Österreich, auch die Schuldentragfähigkeit ist etwas stärker ausgeprägt.
  • Deutschland und Österreich zeichnen sich im internationalen Vergleich durch widerstandsfähige Volkswirtschaften aus. Dies wird u.a. daran deutlich, dass beide Länder seit 2002 beständig Leistungsbilanzüberschüsse verzeichnen und zuletzt in einer Nettogläubigerposition gegenüber dem Rest der Welt waren. Nichtsdestotrotz bleibt die Widerstandsfähigkeit der österreichischen Volkswirtschaft gegen externe Schocks etwas schwächer ausgeprägt. Auf der einen Seite fiel der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in den vergangenen Jahren erheblich höher aus als der österreichische. Zudem haben die höheren Leistungsbilanzüberschüsse dazu geführt, dass Deutschland ein deutlich höheres Auslandsvermögen akkumulieren konnte, das einen Schutz vor externen Schocks bietet. So beläuft sich Deutschlands Nettovermögen gegenüber dem Ausland (Net international investment position, NIIP) inzwischen auf 59,1% des BIP. Zum Vergleich: Österreichs NIIP ist erst 2013 in den positiven Bereich gedreht und fällt mit 6% des BIP deutlich moderater aus. Andere AAA-Sovereigns verfügen ebenfalls über deutlich höhere NIIPs (NL:69,6%; DK: 54,5%; LU: 42,3%). Und schließlich werden Österreichs Staatsschulden mehrheitlich von ausländischen Investoren gehalten, die ihr Kapital in Krisen häufig schneller als einheimische abziehen. Im Schlussquartal 2017 lagen 76% der staatlichen Schulden im Ausland, während der entsprechende Prozentsatz in Deutschland (51%), den Niederlanden (47%) und Dänemark (35%) jeweils deutlich geringer ausfiel.

Weitere Details und die vollständigen Rating-Berichte finden Sie auf der Website www.creditreform-rating.at


Rückfragen gerne auch an
Dr. Benjamin Mohr, Chefvolkswirt
+49-2131-109-626
B.Mohr@creditreform-rating.de

 

Autor: Mag. Gerhard Weinhofer
Grafik: Pixabay

 

 

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