Homeoffice absetzen

Steuervorteile für häusliche Arbeitszimmer winken längst nur noch in Ausnahmefällen. Auch bei einem weiteren Kniff, der Vermietung des eigenen Büro­raums an den Arbeitgeber, hat der Bundes­finanzhof die Hürden nochmals höher gelegt.

Obwohl die Politik derzeit einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeiten im Homeoffice fordert, wurde die steuerliche Abzugsfähigkeit darauf entfallender Kosten bereits vor Jahren stark eingeschränkt. Nach wie vor unterscheidet das Einkommensteuergesetz dabei drei Fallgruppen:

Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung, dürfen die darauf entfallenden Aufwendungen einschließlich der Ausstattungskosten (mit Ausnahme von Luxus- und Kunstgegenständen) unbegrenzt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Entscheidend ist dabei, wo die für den ausgeübten Beruf wesentlichen und prägenden Arbeiten anfallen. Dem zeitlichen Nutzungsumfang des Arbeitszimmers messen die Finanzämter hingegen nur noch eine untergeordnete Bedeutung bei. Weniger großzügig zeigen sich die Finanzbehörden dagegen, wenn das häusliche Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt aller Tätigkeiten darstellt, aber dafür kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall bleibt der Steuerabzug trotz stetig steigender Mieten und kommunaler Gebühren weiterhin auf 1.250 Euro pro Kalenderjahr begrenzt. Keine Rolle spielt dabei, ob die beruflich genutzten Räume angemietet sind oder im Eigentum stehen.

Völlig leer gehen schlussendlich alle Heimarbeiter aus, denen neben ihrem häuslichen Arbeitszimmer ein weiterer Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung steht. Vorsorglich stellt das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in seinem Anwendungsschreiben vom 6. Oktober 2017 (Az.: IV C 6 – S 2145/07/10002:019) nur äußerst niedrige Anforderungen an die Beschaffenheit eines solchen Arbeitsplatzes und erachtet selbst Lärmbelästigungen oder Publikumsverkehr als unbeachtlich. Damit nicht genug, steht nach dieser für alle Finanzämter verbindlichen Verwaltungsanweisung ein Arbeitsplatz auch dann zur Verfügung, wenn er außerhalb der üblichen Arbeitszeiten – wie etwa am Wochenende oder in den Ferien – nicht zugänglich ist.

Handelt es sich bei ausschließlich zu beruflichen Zwecken genutzten Räumlichkeiten dagegen um ein sogenanntes „außerhäusliches Arbeitszimmer“, dürfen alle darauf entfallenden Kosten auch in Zukunft in voller Höhe von der Steuer abgezogen werden. Und zwar unabhängig davon, wo der tatsächliche Mittelpunkt aller beruflichen Tätigkeiten liegt. Dabei akzeptieren die Finanzämter im Regelfall auch zur Privatwohnung gehörende Abstellräume oder angemietete Dachgeschoss- und Kellerräume in Mehrfamilienhäusern – immer unter der Voraussetzung, dass der Zutritt nur über ein auch von fremden Dritten benutztes gemeinsames Treppenhaus möglich ist. Gleiches gilt für angemietete Räume in Mehrfamilienhäusern, die weder an die Privatwohnung angrenzen noch auf der gleichen Etage unmittelbar gegenüber liegen.

Anmietung durch Arbeitgeber

Die gute Nachricht: An den Arbeitgeber vermietete Räume der eigenen Wohnung gelten ebenfalls nicht als häusliches Arbeitszimmer. Allerdings wird auf die Mietzahlungen nur dann keine Lohnsteuer fällig, wenn nachweislich ein vorrangiges betriebliches Interesse an der Nutzung der angemieteten Räume besteht. So zählt die Verwaltungsanweisung des Bundesministeriums der Finanzen vom 13. Dezember 2005 (Az.: IV C 3 – S 2253 – 112/05) die Mieten nur dann zu den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung: Wenn im Unternehmen selbst keine geeigneten Arbeitszimmer vorhanden sind und Versuche des Arbeitgebers zur Anmietung entsprechender Büroräume von fremden Dritten erfolglos blieben. Wenn der Arbeitgeber für seine anderen Arbeitnehmer, die über keine für ein Arbeitszimmer geeignete Wohnung verfügen, Büroräume von fremden Dritten angemietet hat. Und wenn mit dem vermietenden Arbeitnehmer eine ausdrückliche und schriftliche Vereinbarung über die Bedingungen der Nutzung der überlassenen Räume abgeschlossen wird. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und wurde darüber hinaus der Mietvertrag mit unter fremden Dritten üblichen Bedingungen geschlossen, müssen die Finanzämter anfallende Verluste bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung selbst über längere Zeiträume akzeptieren.

Doch Vorsicht: Entgegen der bisherigen Finanzamtspraxis verlangt der Bundesfinanzhof in seiner Entscheidung vom 17. April 2018 (Az.: IX R 9/17) bei als Homeoffice vermieteten privaten Wohnräumen an den Arbeitgeber eine Überschussprognose. Damit soll überprüft werden, ob auf die voraussichtliche Dauer der Nutzung ein Überschuss der (Miet-)Einnahmen über die Werbungskosten erzielt werden kann. Im Streitfall hatte der klagende Arbeitnehmer die an seinen Arbeitgeber vermietete Einliegerwohnung zuvor kostenaufwendig renoviert und damit das Misstrauen des Finanzamts geweckt.

Quelle: Creditreform Magazin
Text: Bernhard Lindgens

© 2019 Creditreform Wirtschaftsauskunftei Kubicki KG, Österreichischer Verband Creditreform

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