Default Study - Ausfallraten der österreichischen Wirtschaft

Creditreform hat erstmals für Österreich die jährlichen Unternehmensausfälle gemessen. In Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Walter S. A. Schwaiger von der TU Wien, Leiter des Instituts für Managementwissenschaften, Finanzwirtschaft und Controlling, wurden anhand der Creditreform Wirtschaftsdatenbank, die alle Unternehmen und selbständig Tätige mit in Sitz in Österreich umfasst, die Ausfälle analysiert. Das Ziel der vorliegenden statistischen Ausfallstudie (Statistical Default Study) besteht darin, anhand der Ausfallraten die derzeitige Risikosituation österreichischer Unternehmen zu beleuchten.

Zur Messung von Unternehmensausfällen wurden erstmals nicht nur die Insolvenzen, sondern darüber hinaus auch die Ausfallsereignisse nach der Definition von „Basel III“, des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, herangezogen. Demnach gilt ein Unternehmen als ausgefallen, wenn es über 90 Tage im Zahlungsverzug ist bzw. wenn es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird können. Diese Messung von Kreditausfällen korrespondiert mit den Sachverhalten, welche mit dem Creditreform-Bonitätsindex gemessen werden. Dieser reicht von 100 (hervorregende Bonität) bis 600 (Insolvenz). Ab einem Bonitätsindex von 500 gilt eine Forderung als ausgefallen.

Geringste Ausfallrate seit Beginn der Wirtschaftskrise

Lag die Ausfallrate am Höhepunkt der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 bei 1,7%, so fielen im Jahr 2017 nur mehr 1,23% der heimischen Unternehmen aus. Damit sind österreichische Unternehmen auch krisenresistenter als deutsche Firmen. Nach einer korrespondierenden Creditreform-Studie in Deutschland beträgt die Ausfallrate bei Österreichs wichtigstem Wirtschaftspartner 1,44%. Im 10-Jahres-Vergleich betrachtet fielen 1,48% der österreichischen Unternehmen aus (Median, siehe Abb. 1).

Jungunternehmen besonders stark betroffen

Ein Blick auf das Unternehmensalter der betroffenen Betriebe zeigt, dass die Ausfallrate mit dem Unternehmensalter signifikant sinkt. Je jünger ein Unternehmen ist, desto höher ist die Ausfallwahrscheinlichkeit, desto auch höher das Risiko eines Forderungsausfalles für die Gläubiger.  Beträgt bei Unternehmen, die jünger als zwei Jahre sind, die Ausfallrate 3,74%, so sind nur 0,7% der  Unternehmen älter 10 Jahre von Ausfällen betroffen.

Grundstoffindustrie krisenfester als Verkehr/Logistik und Baugewerbe

Bei den 10 analysierten Branchen (Einteilung nach ÖNACE 2008) zeigt sich, das die Ausfallrate in der Grundstoff- und Chemischen Industrie, im Großhandel und in der (Konsumgüter-)Produktion nicht nur am niedrigsten ist, sondern auch unter dem Österreichdurchschnitt liegt. Am anderen Ende der Skala liegen das Transportwesen, das Baugewerbe und Konsumnahe Dienstleistungen.

Einfluss der Konjunkturentwicklung auf die Ausfallrate

Setzt man die Entwicklung der Ausfallrate in Korrelation zur Veränderung des realen, inflationsbereinigten Bruttoinlandsprodukts, zeigt sich eine deutlich gegenläufige Entwicklung. Wenn sich das reale BIP negativ verändert, dann steigt die Ausfallrate. Dies sieht man beispielsweise beim großen Krisenjahr 2009 (siehe Abb. 4). Im Jahr 2017, wo es eine positive konjunkturelle Entwicklung gegeben hat, ist der Zusammenhang genau umgekehrt. Univ.-Prof. Schwaiger hat auch den Einfluss der BIP-Entwicklung auf die Ausfallrate analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass 65% der Änderung der Ausfallrate konjunkturbedingt sind. 35% gehen auf Managementfehler, Kapitalmangel, Wettbewerb etc. zurück.

West-Ost-Anstieg im Bezirksvergleich

Betrachtet man die Ausfälle auf Bezirkseben so zeigt sich, dass im Westen Österreichs weniger Unternehmen ausfallen. Hingegen steigt die Ausfallrate je weiter man in den Süden und Osten blickt. Die niedrigste Ausfallrate weisen die Bezirke Landeck (0,12%), Hermagor (0,30%) und Bludenz (0,33%) aus, die höchste Ausfallrate findet man in Klagenfurt-Land (2,54%), Neunkirchen (2,36%) und Klagenfurt-Stadt (2,20%).

Conclusio

Abschließend seien noch Überlegungen zum praktischen Nutzen der vorliegenden Ausfallstudie skizziert. Die statistische Messung von Ausfallrisiken ist eigentlich für alle Unternehmen wichtig. Alle Unternehmen haben ein Finanzierungsproblem zu lösen, und dabei spielt das Ausfallrisiko – egal ob bei Eigen- oder Fremdfinanzierung – eine zentrale Rolle. Um gute und kostengünstige Kapitalstrukturen implementieren zu können, ist die Kenntnis des eigenen Ausfallrisikos unumgänglich. Im Bankenbereich wird dieses Risiko ähnlich wie in der vorliegenden Studie ermittelt. Folglich sind die Ergebnisse der Studie auch für Banken bedeutsam, um ihre eigenen Risikoberechnungen einer externen Benchmark-Analyse zuführen zu können.

Last but not least sind die Ergebnisse aber sicherlich auch für Wirtschaftsvertretungen und die Politik auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene von großer Relevanz. Die gemessenen Ausfallrisiken geben nämlich finanzwirtschaftlich wichtige zusätzliche Einblicke in die wirtschaftliche Lage von Branchen, der gesamten österreichischen Wirtschaft sowie von Bundesländern und Bezirken. Diese Einblicke können von den politisch zuständigen und verantwortlichen Entscheidungsträgern durchaus verwendet werden, um die wirtschaftliche Qualität ihrer politischen Entscheidungen überprüfen und sodann im Zeitablauf verbessern zu können. Aus dieser Analyse können interessante Anregungen für wirtschaftspolitische Vorhaben abgeleitet werden. Tiefergehende Studien können jederzeit entwickelt werden.

Rückfragehinweis

Prokurist Mag. Gerhard M. Weinhofer
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