Bedeutung von Credit Scoring wird wissenschaftlich analysiert

Ohne eine Bewertung der Ausfallrisiken im konkreten Fall ist die Arbeit eines Kreditmanagers nicht vorzustellen. Dabei ist es zunächst einmal gleichgültig, ob der zu beurteilende Abnehmer ein Unternehmen oder ein Verbraucher ist. Beide stellen gleichermaßen ein Risiko dar, das es zu beurteilen gilt.

Gerade aber, wenn es um das Scoring von Verbrauchern geht, wird das Verständnis in der Öffentlichkeit gering. Der Verband der Handelsauskunfteien, der sich jetzt „Die Wirtschaftsauskunfteien e. V.“ nennt, hat deshalb eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, die den Nutzen des Credit Scorings bei Konsumentenkrediten für die Volkswirtschaft und Verbraucher deutlich macht, wie auch darüber aufklärt, dass im internationalen Vergleich die datenschutzrechtlichen Regelungen in Deutschland besonders weitgehend sind.

Entscheidend für die Kreditvergabe

Das Fazit der Wissenschaftler: Credit Scores sind ein sehr wichtiger und wesentlicher Bestandteil von Kreditvergabeentscheidungen. Ohne Credit Scores und die darin enthaltenen Informationen würden die Kreditmärkte deutlich schlechter funktionieren. Die Studien werden vom Bankenfachverband e. V., vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. (bevh), vom Handelsverband Deutschland (HDE) und vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) unterstützt, deren erfolgreiche Services für den Verbraucher maßgeblich auf professionellem Credit Scoring basieren. „Die Forschung belegt, dass Credit Scoring die Kosten für Kreditgeber und -nehmer erheblich senkt“, sagt Dr. Thomas Riemann, Geschäftsführer des Verbandes der Wirtschaftsauskunfteien. „Den Interessen der Verbraucher wird mit dem Datenschutz in Deutschland in besonders hohem Maße Rechnung getragen. Wir haben damit im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle inne.“

Die Wissenschaftler fanden heraus: Credit Scoring ermöglicht auch die Kreditvergabe an Personengruppen, die ohne Scoring pauschal als zu risikoreich eingestuft würden. Ohne Scoring gäbe es also weniger Kredite. Es erleichtert durch seine Risikobegrenzung insbesondere kleineren Unternehmen den Marktzugang und sorgt so für mehr Wettbewerb. Allein die Möglichkeit, im Rahmen eines Credit Scorings bewertet zu werden, verbessert das Zahlungsverhalten von Kreditnehmern.

Informationen über potenzielle Kreditnehmer und ihre Verdichtung zu Credit Scores können die Prognose der Krediterfüllung erheblich verbessern. Je detaillierter und umfangreicher diese Informationen sind, desto besser die Prognose. Umgekehrt führt eine Einschränkung der Informationsbasis zu einer signifikant schlechteren Einschätzung der Krediterfüllungswahrscheinlichkeit. Prof. Dr. Michael Schröder, Projektleiter der Studie des ZEW: „Scorings sind sehr wichtig für die Kreditvergabe von Banken. Die Verwendung von Credit Scores verringert den Anteil von schlechten Kreditrisiken im Gesamtportfolio.“

In den untersuchten Ländern (Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Australien) lag der Anteil gesunder, also vertragsgemäß bedienter Bankkredite 2011, bei über 95 Prozent. Deutschland lag mit 97 Prozent auf Platz 2 hinter Australien mit 98,1 Prozent. Anders als beispielsweise die angelsächsischen Länder mit ihrer über die Jahre sehr schwankenden Höhe der Pro-Kopf-Verschuldung zeichnet sich Deutschland durch eine moderate und volumenmäßig sehr stabile Verschuldung aus. Die Forscher führen die hohe Rückzahlungsquote und die Stabilität der Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland auch auf Einsatz und Professionalität des Scorings zurück.

Deutschland mit starkem Datenschutz

Dabei werden die Interessen der Verbraucher an der Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte in Deutschland mit weitreichenden Datenschutzbestimmungen besonders gut berücksichtigt. „Der Gesetzgeber hat in Deutschland ein optimales Regelwerk geschaffen, um die Interessen der Wirtschaft und Verbraucher bezüglich des Credit Scorings in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen“, fasst Prof. Dr. Jürgen Taeger die Ergebnisse der Studie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zusammen.

Die Experten des Instituts für Rechtswissenschaften haben im Rahmen der Studie die rechtlichen Bedingungen für Credit Scoring in Deutschland, Australien, Großbritannien, Frankreich und den USA verglichen. Diese Länder verbindet eine hohe Industrialisierung, sie unterscheiden sich jedoch erheblich in den Rechtssystemen. In Deutschland sind die datenschutzrechtlichen Vorgaben besonders weitreichend. Sie ordnen eine unentgeltliche Auskunft über den Scorewert an den Betroffenen und eine detaillierte Erläuterung an. Jede Privatperson hat einmal jährlich Anspruch auf eine kostenlose Übersicht über die zu ihr bei einer Auskunftei gespeicherten Daten sowie über die zu ihrer Person übermittelten Scores und deren Zustandekommen. In diesem Umfang ist dies in keinem der Vergleichsländer der Fall. Prof. Dr. Jürgen Taeger: „Aus datenschutzrechtlicher Perspektive erfolgt ein Schutz von deutschen Verbrauchern auf hohem Niveau. Weitere Maßnahmen zur gesetzlichen Regulierung von Scoring bis hin zu einem Verbot wären auch für Verbraucher nachteilig.“

Die unterstützenden Verbände sehen sich – wie „Die Wirtschaftsauskunfteien“ – in ihrer Sicht bestätigt. Von den Banken bis zu den Einzelhändlern wurde begrüßt, dass damit auch wissenschaftlich fundiert wurde, was jedem Kreditmanager geläufig ist: Ohne Credit Scoring geht es nicht!

Die Studie steht bereit unter:
www.handelsauskunfteien.de
http://www.zew.de/de/forschung/projekte.php3?action=detail&nr=1399&abt=fm
http://www.uni-oldenburg.de/privatrecht/scoring-studie
www.boniversum.de

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