Währungsrisiken ausschalten

Wechselkursschwankungen können das Geschäft der Mittelständler erheblich beeinträchtigen. Die Unternehmen sollten dabei ihr Glück nicht den Devisenmärkten überlassen.

Brexit, Trump, Erdogan: Die jüngsten Tendenzen zur mehr Protektionismus und weniger Freihandel wirbeln die Devisenmärkte durcheinander. Das Britische Pfund hat seit dem Beginn der Brexit-Debatte vor einem Jahr zehn Prozent gegenüber dem Euro an Wert verloren. Der Leitspruch des neuen US-Präsidenten Donald Trump „America first!“ sowie die von ihm angekündigten milliardenschweren Infrastrukturausgaben treiben den US-Dollar. Der Greenback hat seit der Wahl im November 2016 gegenüber der europäischen Leitwährung um fünf Prozent zugelegt. Und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgte für starke Währungsschwankungen, als er seine Landsleute Ende 2016 dazu aufrief, ausländische Devisen in Gold oder Türkische Lira zu tauschen, um die Lira aufzuwerten. Hintergrund: Die Türkei importiert deutlich mehr Waren, als sie exportiert. Eine schwache Lira macht Einfuhren teurer.

Für Unternehmen können solche Wechselkursschwankungen zum unkalkulierbaren Risiko werden. Verändert sich der Kurs einer Währung gegenüber einer anderen, schlägt sich das in den Bilanzen der Firmen nieder, die in dem anderen Währungsraum Umsatz machen. Verkauft zum Beispiel ein deutsches Unternehmen Produkte in den USA und der Euro steigt gegenüber dem Dollar, sind die Umsätze in US-Währung weniger Euro wert, als vielleicht ursprünglich eingeplant. Nicht nur für große DAX-Konzerne, auch für kleine und mittlere Unternehmen ist es in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, Wechselkursrisiken abzusichern. Rund 98 Prozent der 350.000 deutschen Exporteure sind Mittelständler. Sie sind auf internationalen Märkten engagiert und handeln mit unterschiedlichen Währungen. Besonders exportorientierte Firmen aus dem Maschinenbau, der Chemie- und der Elektroindustrie sowie die Autohersteller sind betroffen – und damit indirekt auch ihre mittelständischen Zulieferer.

Absicherung per Devisentermingeschäft

„Unsere Mittelständler verfügen in der Regel nicht über hohe Finanzpolster, um Währungsschwankungen einfach wegzustecken“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) und des europäischen Mittelstandsdachverbands European Entrepreneurs. „Daher müssen sich die Firmen schon aus wohlverstandenem Eigeninteresse gegen künftige Schwankungen absichern.“ Auch für Roland Gartner ist die Währungsabsicherung ein absolutes Muss. Sein Unternehmen Bag Company vertreibt von Prien am Chiemsee aus Einkaufstaschen und Geschenkverpackungen, die vorwiegend in Asien produziert werden. „Wir kaufen bei unseren Lieferanten in US-Dollar und wollen auf keinen Fall den Wechselkursschwankungen zwischen Euro und Dollar ausgesetzt sein“, sagt Gartner, der seine Firma 2003 gründete. Die Währungsabsicherung hat der Geschäftsführer bereits im Jahr 2005 etabliert. Bag Company vertreibt rund 120 Millionen Tragetaschen pro Jahr, die größtenteils aus China per Containerschiff verfrachtet werden. Der Jahresumsatz liegt bei etwa zehn Millionen Euro.

» Unsere Mittelständler verfügen in der Regel nicht über hohe Finanzpolster, um Währungsschwankungen einfach wegzustecken. « Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW)


4,5 Millionen Euro benötigt das Unternehmen für den Einkauf in US-Dollar. Für große Kunden wie Hugo Boss oder die Parfümerie Douglas ordert Bag Company im Jahr jeweils mehrere Container Ware aus China. „Zwischen Angebot und tatsächlicher Lieferung können bis zu acht Monate vergehen. Wenn wir das Wechselkursrisiko nicht absichern und der Euro gegenüber dem Dollar fällt, könnten wir große Probleme bekommen“, erläutert Gartner.

Dieses Risiko schließt er aus, indem seine Finanzbuchhalterin per Devisentermingeschäft den Wechselkurs quasi einfriert. „Sie kauft beispielsweise 250.000 Dollar für den geplanten Liefertermin im Oktober, aber zum heutigen Wechselkurs. Uns kann es dann egal sein, wie sich der Euro-Dollar-Kurs bis Oktober entwickelt. So können wir in jedem Fall für unsere Kunden sicher kalkulieren“, sagt Gartner. Die Absicherungskosten nimmt der 50-Jährige dabei gerne in Kauf.

Die Volatilität wird anhalten

Aber nicht alle Unternehmer agieren so vorausschauend wie Gartner. „Wir erleben, dass viele Firmen gar keine konkrete Strategie für Währungsschwankungen haben“, sagt Martin Keller, Bereichsleiter Product Management der Mittelstandsbank der Commerzbank. Die Währungsabsicherung sei für viele Mittelständler absolut erfolgsentscheidend, berichtet der Experte. So habe es in den vergangenen Jahren an den Devisenmärkten extreme Kursschwankungen gegeben. „Die starke Volatilität wird in den kommenden Jahren anhalten. Deswegen ist das aktive Währungsmanagement für einen großen Teil der mittelständischen Unternehmen existenziell wichtig.“ Seiner Meinung nach können Firmen mit einfachen Devisentermingeschäften Währungsmanagement sehr professionell betreiben. „Dazu braucht man keinen Währungsspezialisten. Dies kann zum Beispiel die Buchhaltung des Unternehmens übernehmen.“

Wie wichtig die systematische Absicherung geworden ist, verdeutlicht auch das Beispiel China, wo deutsche Maschinenbauer und Zulieferer bereits seit langem aktiv sind. Die chinesische Währung war früher in Europa kaum handelbar. Inzwischen ist diese Schranke gefallen. Unternehmen benötigen für Renminbi-Geschäfte keine Korrespondenz-Bank mehr in Hongkong, Macau, Taiwan oder Singapur. Der notwendige Währungstausch kann heutzutage über eine Clearing-Bank in Frankfurt über den Ableger der Bank of China erfolgen.

Doch der Informationsbedarf zum Thema Währungsabsicherung ist bei den Mittelständlern laut Keller enorm. „Wir erhalten bei Informationsveranstaltungen großen Zulauf. Die Firmen erkennen offenbar immer mehr, dass sie in Zeiten der Globalisierung nicht mehr nur in Euro denken können.“ Der Banker berichtet, dass insbesondere kleinere Unternehmen bis dato keine Währungsstrategien verfolgen. „Das ist für KMUs gefährlich – vor allem, wenn eine Währung innerhalb kürzester Zeit einbricht.“

Quelle: Creditreform Magazin Spezial
Text: Gian Hessami

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