Grenzenlose Geschäfte

Ob Asien, Europa oder USA: Unternehmer tragen beim Export ihrer Waren und Dienstleistungen oft ein hohes Zahlungsausfallrisiko. Die Bank Payment Obligation gilt hierbei als modernes und einfaches Absicherungsinstrument. Was sie im Vergleich zum klassischen Akkreditiv bietet.

Die Polytrade Global GmbH handelt mit Polymeren, Additiven und Polymerchemikalien. „Wir exportieren weltweit. Aber wir kaufen auch oft im Ausland ein, etwa in Asien“, erklärt Stefanie Stanzel, Vice President Commercial des Unternehmens.

Vor rund drei Jahren kam ein Lieferant aus Thailand mit dem Vorschlag auf die Frankfurter zu, seine Forderungen mit einer Bank Payment Obligation (BPO) statt mit einem Akkreditiv abzusichern. Damals war das Instrument zur Absicherung des internationalen Zahlungsverkehrs neu. „Inzwischen arbeiten wir mit diesem Lieferanten regelmäßig – und es hat sich bewährt“, so Stanzel. Bei einer BPO handelt sich um ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen einer Bank an eine andere. Auf Sicht oder zu einer bestimmten späteren Fälligkeit vereinbaren die Parteien, die Zahlung zu leisten. „Die Bank Payment Obligation bietet im Trade-Finance-Geschäft die zusätzliche Möglichkeit, eine Zahlungsverpflichtung aus einer offenen Rechnung zwischen Banken zu bestätigen und so zu finanzieren“, sagt Angela Koll, Trade-Finance-Expertin der Commerzbank. Das Besondere des Finanzierungsgeschäfts: Die erforderlichen Handelsdaten werden elektronisch vorab vereinbart, übermittelt und abgeglichen.

Das funktioniert dann so: Mit den Daten des Kaufauftrags (Purchase Order) werden im Vorfeld die relevanten Daten abgestimmt. Die Ware wird danach verladen oder verschifft. Anschließend übermittelt der Verkäufer die vereinbarten Handelsdaten an seine Bank, damit diese dann über eine elektronische Plattform abgeglichen werden können. Im Anschluss gibt das Geldinstitut des Käufers (BPO-Obligor-Bank) der Bank des Verkäufers (BPO-Empfängerbank) das unwiderrufliche Zahlungsversprechen, bei Fälligkeit den vereinbarten Betrag zu überweisen.

Beide Seiten profitieren

Die BPO bringt sowohl für den Ex- als auch für den Importeur Pluspunkte. Der Exporteur kann seine Liquidität steuern und sein Cash-Management besser planen. Er kann auf Vorkasse oder Anzahlungen bei seinen Kunden verzichten und ihnen sogar großzügige Zahlungsziele gewähren. Insofern dient das Instrument auch der Absatzförderung. Und im Gegenzug erzielt der Importeur ebenfalls einen Finanzierungsvorteil.

» Das Fehlerpotenzial bei der BPO ist für den Exporteur gering. «
Jana Strobelt, Unicredit


Vor allem aber: Die BPO wird einfach und schlank abgewickelt. „Der Bank müssen keine Dokumente präsentiert werden, stattdessen eben nur die Daten zum Handelsgeschäft. Das spart Zeit“, so Koll. Gefragt sind Angaben zur Rechnung mit ein paar weiteren Informationen über das Handelsgeschäft. Die BPO lässt sich in den Unternehmen daher in der Regel schnell und unkompliziert implementieren – auch wenn die betroffenen Mitarbeiter sicherlich speziell geschult werden sollten. „Das Fehlerpotenzial bei der BPO beziehungsweise das Risiko von Unstimmigkeiten für den Exporteur ist aber gering“, sagt Jana Strobelt, Trade Finance Product Management der Unicredit in München.

Andererseits kann genau darin eine Crux für den Importeur liegen: Er muss nämlich darauf vertrauen, dass der Exporteur die Daten korrekt eingibt. Schließlich überprüft niemand anschließend noch einmal seine Angaben – der Datenabgleich läuft ausschließlich automatisch. Deshalb kommt die BPO insbesondere dann ins Spiel, wenn Firmen mit dem Partner im Ausland bereits eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung haben und mehrmals im Jahr Verträge nach einem standardisierten Verfahren abgeschlossen werden. „Für Abnehmer in einem Land, in dem hohe Zahlungsausfallrisiken bestehen, oder bei Einzelaufträgen mit einem hohen Volumen kommt die BPO eher weniger infrage“, so Strobelt.

Nur wenige Banken sind dabei

Doch die Einsatzgebiete sind schon deshalb beschränkt, weil in Ländern wie Russland, in Mittelamerika oder in weiten Teilen des afrikanischen Kontinents bisher nur einzelne Banken dieses Absicherungsinstrument anbieten können.

Die Bank muss sich nämlich bei der SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) anmelden und Gebühren bezahlen. Der Datenaustausch erfolgt weltweit über eine sogenannte Transaction Matching Application (TMA), speziell der SWIFT Trade Services Utility (TSU-Applikation). Weltweit sind bei der SWIFT zwar bereits mehr als 100 Banken gelistet. Viele sind aber noch nicht so weit, mit der BPO auf den Markt zu gehen. Hier besteht also noch ein großes Handicap für deutsche Firmen, die BPO beim Ex- und Import mit ausländischen Partnern nutzen wollen. In Deutschland beispielsweise offerieren nur die Unicredit und die Commerzbank Unternehmern die BPO.

Nur sie können bisher über die Plattform mit den beteiligten Banken in anderen Ländern in Kontakt treten. „Wir befinden uns im Prinzip in einer Testphase. Die BPO sehen wir aber für bestimmte Bereiche als ein zeitgemäßes und modernes Instrument, das sich daher langfristig weiter etablieren wird“, meint Sandra Pfister, Rechtsanwältin und Partnerin im Finanzierungsbereich der Kanzlei Bryan Cave in Hamburg. Vor allem im Geschäft mit Partnern in Asien besteht bereits eine rege Nachfrage vonseiten der Firmen. „Hier wird sie sich vermutlich schneller als in Europa durchsetzen“, sagt Pfister. Auch Banken in Brasilien, Indien oder Südafrika engagieren sich. Ziel der Kreditinstitute ist es momentan aber noch, den Bekanntheitsgrad des Zahlungsinstruments zu steigern. Das Potenzial ist groß: Rund 80 Prozent der internationalen Geschäfte werden via Clean Payment, also per offener Rechnung, abwickelt.

Alternative: Letter of Credit

Bei etwa 15 Prozent der Aufträge dient dagegen das Akkreditiv als Absicherungsinstrument. Der Letter of Credit kommt seit mehreren Jahrhunderten weltweit zum Einsatz – bei einer nahezu gleich bleibenden Nachfrage. „Wir sehen die BPO als eine Ergänzung zum Letter of Credit“, so Pfister. Der Exporteur erhält auch hier ein Zahlungsversprechen der Bank seines Auslandskunden. Das Akkreditiv unterscheidet sich von der BPO darin, dass hier der Bank Dokumente vorgelegt werden müssen. Der Letter of Credit gilt als extrem kompliziert und recht fehleranfällig. Bei der Rechnungsstellung ist auf jedes Komma zu achten. Die Angaben zur Ware müssen exakt übernommen werden, damit die Bank im Ausland prüfen kann, ob die Vorgaben alle eingehalten wurden. Unstimmigkeiten führen dazu, dass die Zahlung nicht erfolgt. Fehler in der Rechtschreibung etwa können zwar später noch korrigiert werden, doch das kostet wieder Zeit. Entsprechend überweist die Akkreditivbank das Geld oftmals mit Verzögerungen. Bei der BPO gibt es diese Probleme nicht – andererseits gilt sie genau aus diesem Grund auch als weniger sicher als der Letter of Credit.

» Wir sehen die BPO als Ergänzung zum Letter of Credit. «
Sandra Pfister, Kanzlei Bryan Cave


Beide Instrumente haben aber auch etwas gemeinsam: die Bonität der Bank des Kunden ist besonders wichtig. Schließlich gewährleistet sie die Zahlung. Handelt es sich um ein Versprechen eines großen und bekannten Hauses im Ausland mit einem guten Ruf, ist der Unternehmer schon gut aufgestellt. Wenn der Kunde mit einer kleinen Bank zusammenarbeitet, erscheint jedoch zunächst Vorsicht geboten. Dann bietet sich in der Regel die Variante des bestätigten Akkreditivs an. Hierbei überprüft das deutsche Geldinstitut die Bonität der ausländischen Partnerbank. Das bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Der Letter of Credit kann dann als Sicherheit dienen – der Exporteur entlastet seine Bilanz.

Das funktioniert zwar analog auch bei der BPO. Bestehen Zweifel an der Bonität der BPO-Obligor-Bank, kann sich der deutsche Unternehmer eine Bestätigung von seiner Bank geben lassen. Allerdings bieten bisher ohnehin fast nur große und stabil aufgestellte Banken dieses moderne Instrument an. Insofern hat der Unternehmer schon dadurch ein Mindestmaß an Sicherheit. Doch es gilt: Je mehr Banken einsteigen, desto wichtiger dürfte künftig eine Bestätigung werden.

BPO oder akkredativ?

Exportierende Unternehmen können auf zwei Finanzierungsvarianten zurückgreifen. Worauf sie dabei achten sollten:

Die Wahl: Unternehmer sollten sich vorab ausführlich beraten lassen. Die BPO ist in der Regel kostengünstiger, weil der Datenabgleich automatisch erfolgt. Das sollte allerdings nicht das ausschlaggebende Argument sein. Vielmehr gilt es, abhängig vom jeweiligen Kunden und vom Außenhandelsgeschäft die Vor- und Nachteile der Instrumente abzuwägen. Der Unternehmer kann jeweils mit seinem Geschäftspartner verhandeln, wer die Kosten trägt oder wie sie aufgeteilt werden. Bei der BPO übernimmt in der Regel jeder seinen Teil.

Die Details: Die Geschäftspartner sollten am besten schon im Vorfeld genau festlegen, welche Daten beziehungsweise Dokumente als Zoll-, Transport-, Versicherungs- oder Qualitätsnachweise gebraucht werden. Sowohl die BPO- als auch die Akkreditiv-Bedingungen können später nämlich nur noch geändert werden, wenn beide Parteien zustimmen. Der Unternehmer sollte daher besondere Sorgfalt bei der Eröffnung walten lassen.

Die Kosten: Das Akkreditiv kommt in der Regel teurer als die BPO. Der Unternehmer entscheidet abhängig von seiner Risikosituation, welches Instrument für ein bestimmtes Geschäft jeweils für ihn infrage kommen kann. Die Aufwendungen sollte er im besten Fall vor dem Vertragsabschluss mit dem Kunden kalkulieren.


Text: Eva Neuthinger
Quelle: Creditreform Magazin

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